Fairer Handel ist keine Wohltätigkeit

Sep 17, 2010 by     2 Comments    Posted under: Fairer Handel Kritisches

“Fair Trade is not charity”, das schreibt eine der hier vorgestellten Fair-Handels-Organisationen auf seiner Website. Ich habe den Eindruck, dass dieser Grundsatz von vielen Akteuren in den Industrieländern nicht wahrgenommen wird. Liegt hier womöglich ein grundsätzliches Verständnisproblem zwischen Produzenten und den Groß- sowie Einzelhändlern in den Industrieländern vor?

Team Streetwires
Oft liest man in den Informationen der Produzenten, dass sie anstreben, weiter zu wachsen. Denn nur durch das Wachstum, können diejenigen Kapazitäten geschaffen werden, die den Arbeitern nachhaltig ein gutes Einkommen ermöglichen.
Nachhaltigkeit ist überhaupt das Schlagwort, das derzeit durch die Businessnachrichten geistert. Vor kurzem bekam ich eine Werbebeilage des Rewe in die Hand, in der zwei Seiten komplett dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet wurden. Ungeachtet dessen, ob alle Versprechen gehalten werden, so geht der Trend dahin, nachhaltige Prinzipien in der Unternehmenskultur als Standard zu verankern. Und definitiv sollten ökologische Nachhaltigkeit, ökonomische Nachhaltigkeit sowie soziale Nachhaltigkeit standardmäßig die Basis für Unternehmenskonzepte bilden.
Bei den (oftmals kirchennahen) Weltläden hört sich dieses Konzept aber eher wie Wohltätigkeit und ideologische Verklärtheit an, gemäß dem Motto “für eine bessere Welt”. Dementsprechend scheint man sich mit dem, was man hat, zufriedenzugeben, denn man möchte ja keine großen Produzenten unterstützen (so wurde es mir gesagt). Und so wird der Besuch eines Weltladens den Kunden gelegentlich an einen Museumsbesuch erinnern. Klar arbeiten die Meisten dort ehrenamtlich (das habe ich auch schon getan), aber seit wann schließt sich Ehrenamt und aktives Engagement mit (Online)Marketing und (Online)Werbung aus.
“Fair Trade is not charity”, “We invite individuals and organizations linking us to potential markets..” – diese Statements kommen nicht von Global Playern, sondern von kleinen Produzenten, die Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Produkte benötigen.
“Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems  in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann.”[Wikipedia] Widerspricht dies etwa den Wunsch der Produzenten, ihre Kapazitäten zu vergrößern und damit auch wettbewerbsfähig zu werden bzw. zu bleiben? Ich denke nicht.

Bildhinweis: Das Bild zeigt Künstler von Streetwire aus Südafrika. Die Drahtkunst ist zunächst aus der Not geboren, mittlerweile sichert sie aber ihre Existenz.

2 Comments + Add Comment

  • Hallo Anne,
    die beschriebene Sicht der Produzenten stimmt voll mit unseren Erfahrungen überein, allerdings mit der Ergänzung, dass die Produzenten wissen, was sie am Fairen Handel haben und einen Unterschied zwischen Fairen und konventionellen Händlern machen.
    Diesen Unterschied sollten wir auch gerade hier machen, auch wenn es dafür keine Siegel gibt. Sicher ist es ein Fortschritt, wenn bei REWE ein paar bioFairprodukte im Angebot sind, aber der Rest ist eben Mensch- und Umwelt schädigend -also noch kein Grund zur Euphorie und Weltladenbashing. Eher zum Weiterarbeiten, -kritisieren, Alternativen anbieten … so wie hier im Blog
    Grüße
    Eckhard

    • Hallo Eckhard,
      das mit dem Rewe ist nicht als wirkliche Alternative gemeint gewesen, sondern nur als Beispiel, dass der konventionelle Handel das Marketingpotential des Fairen Handels eher erkennt. Dass das Marketing der großen Konzerne nicht zwangsläufig die Realitäten abbildet, ist mir absolut bewusst. Auch sehe ich die Dinge ganz und gar nicht so euphorisch. Daher auch mein Versuch, etwas anders an das Ganze heranzugehen.
      Grüße,
      Anna

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