Entwicklungspolitisches Potential traditioneller Produkte

Oct 10, 2010 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Allgemein

Mit den Anfängen der Entwicklungshilfe in der Mitte des 20. Jahrhunderts, begann auch eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Begriff der Entwicklung. Zunächst war man sich sicher, dass die Industrieländer mit ihrer Form des Fortschritts für alle anderen Länder vorbildhaft sein müssten. Diese Theorie musste aber bei genauerer Betrachtung schon bald bröckeln…

Was ist überhaupt Entwicklung? Darüber gab und gibt es unterschiedliche Theorien, die an dieser Stelle auch nicht diskutiert werden sollen, denn das würde zu weit führen. Allerdings lässt sich zusammenfassend feststellen, dass ein einheitliches Modell der Entwicklung, welches auf alle Fragen und Kritikpunkte antworten kann, bisher nicht aufgestellt worden ist. Wesentliche Kritikpunkte sind die Monokausalität sowie der globale Gültigkeitsanspruch, die die länderspezifischen naturräumlichen, demografischen, sozialen, politischen, religiösen sowie historischen Faktoren zu wenig oder gar nicht berücksichtigen.
Nachdem erste Projekte in der Entwicklungshilfe nicht die erwünschten Erfolge erzielten, musste man schließlich umdenken. Wobei es relativ lange, nämlich bis 1990 dauerte, bis der Begriff der Entwicklungshilfe durch den Begriff der Entwicklungszusammenarbeit abgelöst wurde, und damit ein partnerschaftlicher Prozess allmählich in Gang gesetzt worden ist, in dem die Industrieländer nicht mehr ihre Wertmaßstäbe “von oben” diktieren wollten. Denn schließlich befinden sich alle Länder in einem ständigen Entwicklungsprozess. Was liegt denn da näher, als ein Konzept der gemeinsamen Entwicklung?
Jedes Volk hat seine spezifischen Produkte und Fähigkeiten und diese bergen sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich Potential für einen positiven Fortschritt. Darüber besteht auch unter internationalen Organisationen wie der UNESCO und der UNCTAD Einigkeit. Gerade der Kunsthandwerkssektor öffnet die Tür zur Marktwirtschaft für breite Teile der Bevölkerung ressourcenarmer Regionen, in denen die Marginalisierung gerade von Frauen sehr hoch und Erwerbsmöglichkeiten entsprechend gering sind.
So ist eine Besonderheit des Kunsthandwerks, dass auf der Mikroebene allein regionalspezifische Kunstfertigkeiten sowie handwerkliche Kenntnisse im Rahmen der Produktion in Wert gesetzt werden können und im Zusammenhang mit weiterführenden Projekten (wie im Fairen Handel üblich) neue Bildungswege geschaffen werden. Somit steigt sowohl der wirtschaftliche, als auch der gesellschaftliche Wert des kulturellen Gutes. Und es ist gerade diese gestärkte kulturelle Identität, die vor dem Hintergrund der selbstbestimmten Behauptung gegenüber benachteiligenden Faktoren an Gewicht gewinnt.
Nicht auf den Fortschritt allein kommt es an, sondern die Richtung ist entscheidend. Es wäre wünschenswert, wenn die Industrieländer dies für sich auch stärker beherzigen würden!

Bildhinweis: Das Bild zeigt ein Frau aus Swaziland bei der Herstellung von traditionellen Korbwaren aus Sisal.

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