Entwicklungspolitik und Gedanken zum Welternährungstag

Oct 20, 2010 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles

Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober äußerte sich Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, zu den zentralen Zielen der Entwicklungspolitik. So sei “die Entwicklung ländlicher Räume … der Schlüssel zur Hunger- und Armutsbekämpfung.” Genau in diesem Bereich ist der Faire Handel seit jeher aktiv…

Für Kopp bedeute eine umfassende ländliche Entwicklung vor allem, die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Aber auch die Entwicklungsländer selbst müssten eigene Problemlösungs-Kapazitäten stärken.
Dazu gehöre vor allem, so Kopp weiter, der vollständige Abbau aller Formen von EU-Agrarexportsubventionen im Rahmen der Doha-Entwicklungs-Agenda, um dazu beizutragen, dass Kleinbauern in ärmsten Ländern nicht länger unter der Konkurrenz von billigen Agrarimporten aus der EU leiden müssten. Das ist wohl richtig, allerdings ist das nur ein Teilproblem und vermutlich auch das kleinere. Ein wesentlich größeres Problem dagegen stellt die Überschuldung dar, die in der Folge von Strukturanpassungmaßnahmen durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfond entstanden ist, und die des Weiteren dazu beiträgt, dass die Entwicklungsländer ihren eigenen Nahrungsmittelbedarf nicht decken können.
Die Schulden haben sich seit den 50er Jahren angehäuft, als Kredite durch die Weltbank sowie den Internationlen Währengsfond für Investionsprojekte zur Förderung der Exportwirtschaft gewährt wurden – gemäß dem Motto, dass der freie Weltmarkt das schon regeln würde. Geregelt hat der freie Weltmarkt dagegen wenig, aber für die Rückzahlung der Schuldenberge diktieren die Weltbank sowie der IWF den Entwicklungsländern nachwievor auf den Export zu setzen – mit dem Ergebnis, dass bspw. in einem der ärmsten Länder der Welt, nämlich in Mali, 80% der Beschäftigten in der Landwirtschaft arbeiten (Baumwoll- und Kakaoanbau) und dafür Lebensmittel kaum angebaut werden. Nun nachdem der Anbau dieser Exportprodukte nicht die erwünschten Gewinne gebracht hat, wird Mali empfohlen auf Biokraftstoffe zu setzen.
Auf diese Weise wurden allein im letzten Jahr 22 Mio Hektar fruchtbaren Ackerlandes dem afrikanischen Kontinent durch Hedgefonds und multinationale Unternehmen abgerungen, denn ausländische Investoren, so die Weltbank und der IWF, müssen angelockt werden, da diese effizienter wirtschaften würden. Dass dieses Vorgehen in der Vergangenheit fatale Folgen hatte, kann man daran erkennen, dass überall da, wo Sturkturanpassungen erzwungen wurden, der Hunger innerhalb der Bevölkerung zugenommen hat.
Ein Beispiel für die fragwürdige Investionspolitik stellen die Inga-Staudämme im Kongo dar. Diese Anlagen liefern Strom an Kupferbergwerke, arbeiten aber nicht effzient genug, um auch Teile der Bevölkerung zu versorgen. Dafür sind sie aber oft defekt, was allerdings die kongolesische Bevölkerung tragen muss. Die Gewinne aus den Kupferbergwerken heimsen dafür die Investoren ein. Dabei ist Strom ein wichtiger Entwicklungsfaktor und könnte bspw. für die Konservierung von Lebensmitteln eingesetzt werden. So sind fehlende oder mangelnde Konservierungs- und Lagerungsmöglichkeiten der Grund dafür, dass Ernten nicht effizient verwertet werden können.
Die Schuldenrückzahlungen müssen aber dennoch bedient werden und so sparen die Entwicklungsländer an Sozialleistungen, wie etwa Bildungsmaßnahmen, welche wohl zu den wichtigsten Entwicklungsfaktoren überhaupt gehören. Wo es geht, wird wieder privatisiert.
Zumindest betont Kopp gleichzeitig, dass Geld allein nicht ausreicht, sondern die Wirksamkeit der Hilfen erhöht werden muss. Na dann bleibt zu hoffen, dass die von der Bundesregierung auf dem G8-Gipfel zugesagten drei Milliarden US-Dollar für die nächsten drei Jahre, welche das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung derzeit umsetzt, auch nachhaltig sinnvoll eingesetzt werden.

Bildquelle: http://www.fao.org

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