Der einheimische Unternehmer – Ein unterschätzter Entwicklungsfaktor

Nov 1, 2010 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Allgemein

Wer an die Rolle des Unternehmers in den Entwicklungsländern denkt, denkt meistens an Unternehmensleiter von großen ausländischen Unternehmen. Tatsächlich wird dadurch die Rolle des Unternehmers in diesen Ländern wesentlich verkannt oder zumindest verzerrt…

Bei der Ernte. Ruben ist Fairtrade-Kaffeebauer in Peru. - Foto: Transfair/C. Nusch

Als Entwicklungshemmnis für die Entwicklungsländer wird häufig mangelndes Kapital genannt. Allerdings tritt die Kapitalbildung im traditionellen Sektor, wie in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sowie der traditionellen Handwerksproduktion, bei statistischen Berechnungen i.d.R. nicht in Erscheinung, obwohl diese Sektoren eine wichtige Rolle in der ökonomischen Aktivität der Entwicklungsländer spielen. Zum einen, da sich Investitionen vor allem im landwirtschaftlichen Sektor erst Jahre später niederschlagen, zum anderen mag es an der Gewohnheit beruhen, einen ökonomischen Entwicklungsprozess als Synonym für Industrialisierung zu sehen.
Diese Kapitalbildung ist eine zentrale Rolle des Unternehmers. Und nicht nur das. Der Unternehmer hat die Aufgabe, den Ungewissheiten des Wirtschaftslebens zu begegnen und sie, wenn nicht unter Kontrolle zu bringen, so doch wenigstens möglichst richtig zu antizipieren. Diese Aufgabe wird in den Entwicklungsländern in allen zentralen Belangen des Unternehmensaufbaus  sowie der Unternehmensführung vorwiegend in dieser einen Person vereint.
Hier erfüllen traditionelle Kleinbauern sowie (kunst)handwerklich orientierte Kleinunternehmer nicht nur in der Annahme einer langfristigen Betrachtungsweise, sondern im Erspähen profitabler Marktchancen die Rolle des Unternehmers in hervorragendem Maße. Das wird u.a. durch den empirischen Beweis der Produktionssteigerung von Export- und anderen Gütern sowie der Ausdehnung der Produktionskapazität von solchen Gütern durch Kleinuntnernehmer unter dem Anreiz attraktiver Preise und profitabler Marktchancen – wie sie ihnen etwa der Faire Handel bietet  – bestätigt. So sind Produzenten von fairtrade Produkten (und nicht nur die) überall in der Welt bemüht, ihre Lage zu verbessern und auf Neuerungen positiv zu reagieren.
Mit der Entstehung eines dynamischen Entwicklungsprozesses, findet aber auch gleichzeitig eine Versachlichung des Marktes statt, weil er – wie Max Weber gezeigt hat – “spezifisch sachlich, am Interesse an den Tauschgütern und nur an diesen, orientiert ist. Wo der Markt seiner Eigengesetzlichkeit überlassen ist, kennt er nur Ansehen der Sache, kein Ansehen der Person, keine Brüderlichkeits- und Pietätspflichten, keine der urwüchsigen, von den persönlichen Gemeinschaften getragenen menschlichen Beziehungen.” Eine solche Entwicklung widerspricht nicht nur allen urwüchsigen Formen menschlicher Beziehungen, sie führt auch zum Auflösen traditioneller sozialer Strukturen sowie von Normen und Werten.
Auf diesen tradtionellen Strukturen beruht aber v.a. der Status-quo der herrschenden Eliten in den Entwicklungsländern, daher sind sie mehr an der Erhaltung der sozialen Strukturen interessiert als daran einen dynamischen Entwicklungsprozess innerhalb der einheimischen Bevölkerung in Gang zu setzen.
Was die Entwicklungsländer also nötiger brauchen als importierte Waren und ausländische Investitoren internationaler Konzerne, sind einheimische Unternehmer und sind Maßnahmen, die den vorwärts drängenden Ideen und Aktivitäten der Neuerer zum Wohle des Landes die Bahn frei machen.

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