Amartya Sen – Ökonomie für den Menschen

Jan 2, 2011 by     1 Comment    Posted under: Buchtipps

Dieser Buchtitel ist zwar schon etwas älter, aber nicht weniger aktuell. Denn bei dem Autor handelt sich um den indischen Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsphilosophen und Harvard-Professor Amartya Sen, dem 1998 der Nobelpreis für Wirtschaftswissen- schaften verliehen wurde. Dieser Titel, der Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft aufzeigt, beinhaltet Vorträge, die Amartya Sen als Presidential Fellow im Herbst 1996 vor der Weltbank gehalten hat…

In diesem engagierten Buch, das im englischen Originaltitel “Development as Freedom” heißt und das für eine breite Öffentlichkeit geschrieben wurde, stellt Amartya Sen, einer der bedeutenden Wirtschaftstheoretiker der Gegenwart, eindringlich dar, dass Freiheit, Gleichheit und Solidarität keine abstrakten Ideale sind, sondern fundamentale Voraussetzungen für eine prosperiernde und gerechte Weltwirtschaft. Grundsätzlich ist der deutsche Titel aber etwas irreführend, denn im Wesentlichen geht es um Wirtschaftsentwicklung und Entwicklungspolitik.
“Sen formuliert seine Thesen zur Entwicklungspolitik aus Sicht eines Sozialwissenschaftlers, schöpft aus den Wirtschaftswissenschaften genauso wie aus der Philosophie und der Politikwissenschaft. (…) Es gibt wohl nur wenige Autoren, die aus einer ähnlich umfassenden Perspektive eine Auseinandersetzung mit globaler Wirtschaftpolitik leisten könnten”, schrieb einst Die Tageszeitung und das kann man voll unterschreiben.
Gerade was Entwicklungspolitik anbetrifft, kommt Amartya Sen zu Einsichten, die weg gehen von der gängigen Entwicklungsmesslatte des Bruttoinlandprodukts pro Kopf und untermauert seine Theorien mit aussagekräftigen Statistiken sowie stichhaltigen Argumenten.
Auch räumt er mit der einseitigen Rezeption der Schriften von Adam Smith auf und stellt klar, dass dem Begründer der klassischen Nationalökonomie das Verstehen der Dynamik sozialer Interaktionen und dessen Wirkung für das Wirtschaftswachstum nicht weniger wichtig war als die Bedeutung des Eigennutzes, dessen Betonung Adam Smith in der gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Literatur hauptsächlich “bezichtigt” wird. Denn Adam Smith hat sich genauso wie Karl Marx eingehend mit den grundlegenden Freiheiten der Menschen und den sozialen Vorraussetzungen sowie Institutionen, die dazu notwendig sind, befasst. So spricht sich Adam Smith sogar für eine kritische Beurteilung des freien Marktes sowie für eine gewisse Regulierung aus.
Mit all dem zeigt der Entwicklungsökonom und Armutsforscher Amartya Sen auf, dass für die Messung von Entwicklung und Lebensstandard eine wesentlich breitere Untersuchung der Verhältnisse nötig ist als es gemeinhin geschieht. Dabei führt er den Begriff der “Verwirklichungschancen” ein und definiert Armut als einen Mangel an solchen Verwirklichungschancen. Das Ganze mag sich zunächst recht banal anhören, aber bei eingehender Beschäftigung erkennt man die Tragweite der Aussagen des Autors.
Bei diesem Buch handelt es sich wahrhaftig um eine Programmschrift, die ökonomische Vernuft, politischen Realismus und soziale Verantwortung zusammenführt. Kofi Annan sagte einst: “Die Vereinten Nationen haben enorm von Amartya Sens Klugheit und Kompetenz profitiert.” Aber haben sie auch etwas davon umgesetzt?!

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