Kleidung aus Bio-Baumwolle – Bio und fair?

Jan 8, 2011 by     2 Comments    Posted under: Fairer Handel Kritisches, Kleidung

Neben fair gehandelten Lebensmitteln und Kunsthandwerksprodukten, wächst auch der Markt für fair gehandelte Kleidung stetig. Aber nicht alles, was nachhaltig erscheint, ist auch nachhaltig. Denn gerne wird allein der Rohstoff, nämlich Bio-Baumwolle, als Werbeargument für den Nachhaltigkeitsfaktor herangezogen. Allerdings sagt die Vorsilbe allein noch nichts über die bei der Weiterverabeitung eingesetzten Substanzen sowie die Arbeitsbedingungen der Produzenten aus. Wie erkennt man, ob Kleidung zu 100% nachhaltig hergestellt wurde?

Seit einigen Jahren bringen mehr und mehr Bekleidungshersteller Kollektionen heraus, die nach eigenen Angaben aus Bio-Baumwolle hergestellt sind. Sie betonen in diesem Zusammenhang ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mensch und Natur, denn mit dem Begriff Bio verbindet man nachhaltige, gesunde und umweltbewusste Materialien, Produktionsverfahren sowie Produktionsbedingungen. Hier muss man aber ganz klar sehen, dass der Aspekt der Bio-Baumwolle gerne dazu genutzt wird, einen Kaufanreiz zu erzielen, der gleichzeitig mögliche negative Aspekte bei der Herstellung der Bekleidung in den Hintergrund rücken lässt. Denn allein die Beschaffenheit des unverarbeiteten Rohstoffs reicht nicht aus, damit das gesamte Produkt als nachhaltig hergestellt bezeichnet werden kann.
Zunächst bedeutet Bio-Baumwolle, dass die Baumwolle kontrolliert biologisch angebaut wurde. Damit aber ein Kleidungsstück entstehen kann, muss der Rohstoff entsprechend verarbeitet werden. Und dieser Herstellungsprozess kann durchaus den konventionellen Weg gehen, und damit werden beispielsweise der Einsatz von gesundheitsschädlichen Substanzen oder Kinderarbeit nicht ausgeschlossen.
Denn gerade was den Einsatz von Chemie anbetrifft, so gibt es keine gesicherten Daten darüber, wie viele und welche Substanzen in der Textilindustrie derzeit eingesetzt werden. Und weil selbst die deutschen Behörden nur über Daten in äußerst begrenztem Umfang verfügen, kommt der Einsatz von potentiell gefährlichen Substanzen nur mit Hilfe von Tests von Umweltbehörden oder von Stiftung Warentest sowie Ökotest ans Licht.
Global Organic Textile StandardAber woher kann man dann wissen, ob ein Kleidungsstück nachhaltig hergestellt wurde? Hier könnten Siegel Gewissheit geben, allerdings haben Textilverbände und Textilhersteller sowie Nichtregierungsorganisationen viele verschiedene Siegel ins Leben gerufen, bei denen es schwer fällt, den Überblick zu behalten.
Eine wichtige Ausnahme bildet allerdings das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard), das vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) und drei anderen internationalen Organisationen entwickelt wurde, und damit weltweite Gültigkeit hat. Es ist das bisher umfassendste Siegel, da es erstmals sowohl ökologische als auch soziale Standards vereint. Dabei umfasst es den gesamten Herstellungsprozess eines Kleidungsstücks – von der Produktion der Rohstoffe bis zu den Farben, die bei der Herstellung der Kleidung verwendet werden dürfen. Noch strengere Sozialstandards verlangt ferner das Siegel der Fair Wear Foundation (FWF).
Bio bedeutet eben nicht unbedingt fair und fair nicht zwangsläufig bio, und so sind verlässliche Siegel, die beide Kriterien umfassen, umso wichtiger.
Mittlerweile gibt es bereits eine große Auswahl an GOTS zertifizierter Kleidung, so dass der interessierte Käufer in diversen Online-Shops sicher schnell fündig werden kann.
Über weitere Siegel kann man sich außerdem auf Label Online informieren, dem mit rund 450 Labeln derzeit größtem Label-Portal Europas.

2 Comments + Add Comment

  • Interessanter Artikel und vielen Dank für den Link zu Label Online, kannte ich noch gar nicht.
    Inzwischen gibt es auch einiges an Baumwollkleidung mit dem, von Kaffee oder Schokolade, bekannten Fairtrade-Siegel. Das geht meines Erachtens noch ein Stückcken weiter als GOTS.

    Ist Fair Wear eigentlich ein richtiges Siegel? Ich dachte, es sagt nur etwas aus über die Mitgliedschaft des Herstellers in der Foundation.

  • Die Fair Wear Foundation hat bestimmte Standards und kontrolliert deren Einhaltung. Die Mitglieder, die der Fair Wear Foundation beitreten, stimmen diesen Standards zu und unterstützen deren Einhaltung. Das wird zertifitiert. Das Prinzip entspricht dem Fairtrade-Siegel beispielweise.

    Was das GOTS-Siegel anbetrifft, so sagt es aus, dass alle Entstehungsphasen eines Produktes gewissen Standards folgen. Es hat tatsächlich strengere Standards als das Fairtrade-Siegel und ist weltweit gültig.

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