Fairer Handel und Gentechnik

Beim Einführen gentechnisch veränderter landwirtschaftlicher Produkte wird gerne die Notwendigkeit vorgeschoben, dass der erhöhte Lebensmittelbedarf einer stetig wachsenden Weltbevölkerung gedeckt werden müsse. Die neuen gentechnisch veränderten Sorten sollen ertragreicher sein und somit einen Segen für die Menschheit darstellen. Die Gates-Stiftung pumpt aktuell 150 Mio Dollar pro Jahr in die Gen-Forschung, die zu einer neuen “Grünen Revolution” in Afrika führen soll…

Die “Grüne Revolution”

Bereits in den 60er Jahren strebte die Rockefeller-Stiftung eine “Grüne Revolution” an und investierte beispielsweise in die Entwicklung einer neuen  genveränderten Reissorte mit einem hohen Gehalt an Vitamin A, dem sogenannten “Goldenen Reis”, riesige Geldsummen. Dieser Reis kam nie auf den Markt. Er hat aber – wie jedes neue gentechnisch veränderte Agrarprodukt – die Abkehr von traditionellem Wissen sowie vom Saatgut angepasster Sorten vorangetrieben. Letzten Endes profitiert haben einzig die Großkonzerne und die Lebensmittel-Knappheit in den Entwicklungsländern wurde dadurch allenfalls verschärft.

Mit Gentechnik den Welthunger besiegen?

Die Argumentation vieler Poliker, dass Gentechnik den Welthunger besiegen könne, zeugt entweder von Unwissenheit oder von kalter Berechnung. Beides ist verurteilenswert. Denn nicht entwicklungspolitische oder hunger- und armutsbekämpfende Ziele stehen im Vordergrund, sondern in erste Linie das Erschließen neuer Märkte. Bisher frei zugängliches Saatgut wird durch genverändertes, patentgebundenes und damit kommerzialisiertes Saatgut ersetzt und damit der Zugang zu Nahrungsmitteln für die Menschen der Entwickungsländer erschwert. Die Verfügbarkeit von Lebensmitteln wird vor allem aber auch deswegen erschwert, weil durch “angeordnete” Strukturanpassung der Weltbank, der Produktionsschwerpunkt auf Export-Produkte erzwungen wurde bzw. wird und die Entwicklungsländer in erster Linie Lebensmittel für die Industriestaaten produzieren. Und natürlich hat der sich in diesem Zusammenhang immer mehr ausbreitende Anbau gentechnisch veränderter Kulturen auch ökologische Folgen, deren Langzeitwirkung für die lokale Flora und Faune kaum absehbar sind. In der Regel benötigen die neuen Kulturen auch neue Pestizide, die sowohl die Natur als auch die Gesundheit der Menschen zusätzlich belasten.

Fairer Handel erkennt die Hauptursachen

Der Faire Handel verfolgt dagegen ein anderes Konzept. Er geht nämlich mit Recht davon aus, dass das Hungerproblem der Menschen in der Dritten Welt nicht in erster Linie in unangepassten Technologien begründet liegt. Stattdessen erkennt der Faire Handel die Problematik in fehlendem Zugang zu Land und kostenlosem, an regionale Bedingungen angepasstem Saatgut sowie der politisch geförderten Orientierung auf Exportproduktion. Auf diese Weise bekommt die Bevölkerung gar nicht die Möglichkeit ihren Bedarf an Grundnahrungsmittel selbständig zu decken bzw. in die eigene Tasche zu wirtschaften. Die wenigen Exporteinnahmen (bedingt durch geringe und schwankende Weltmarktpreise für Rohstoffe), werden vor allem für die Schuldentilgung aufgewendet, die die gescheiterte “Grüne Revolution” erst notwendig gemacht hat.

Fairer Handel fördert traditionelle Agrarprodukte und Technologien

Es sind traditionelle Agrarprodukte und Technologien, mit denen der Faire Handel hilft, die bestehenden Strukturen zu durchbrechen und ein Stück mehr Selbstbestimmung für die Menschen in den Entwicklungsländern zu erreichen. Der Faire Handel fördert die traditionellen, kleinbäuerlichen Strukturen, eine höhere Wertschöpfung vor Ort, die Ausbildung von Fachkräften sowie die Diversifikation und richtet sich damit explizit gegen den herrschenden neoliberalen Zeitgeist. Dieser Zeitgeist zielt allein auf die Profitmaximierung internationaler Großkonzerne ab und ist umso perfider, als dass er dies unter dem Deckmantel der “Wohltätigkeit” tut.

Dass angepasste, einfache und ökologisch nachhaltige Lösungen in der Landwirtschaft ein Schlüssel zum Abbau von Armut und Hunger sind, zu diesem Ergebnis kommt auch der neue Bericht des Worldwatch Institute “Zur Lage der Welt 2011”. Die deutsche Ausgabe wurde jetzt in Berlin vorgestellt.

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