Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs

Apr 30, 2011 by     No Comments    Posted under: Buchtipps

Ulrich Grober: Die Entdeckung der NachhaltigkeitDer Begriff “Nachhaltigkeit” fällt seit einigen Jahren zunehmend oft in der Berichterstattung der Medien sowie in öffentlichen Diskussionen. So ist etwa von nachhaltiger Entwicklung auf nationaler und internationaler Ebene sowie von nachhaltigem Konsum die Rede. Auf den ersten Blick erscheint der Begriff modern, sozusagen ein “Produkt” unserer Zeit. Dass das Konzept der Nachhaltigkeit aber alles andere als eine Modererscheinung ist, zeigt das Buch von Ulrich Grober…

Ulrich Grober hat ein Buch zum Thema Nachhaltigkeit geschrieben, das sich intensiv mit der Kulturgeschichte der Nachhaltigkeit sowie der Entstehung des Begriffs Nachhaltigkeit beschäftigt. Damit ist eine umfassende Darstellung entstanden, die umso wichtiger ist, weil der Begriff der Nachhaltigkeit – so wie er in den Medien verwendet wird – doch sehr den Anschein einer Modeerscheinung macht bzw. recht inflationär verwendet wird. Wenn es aber darum geht, den Begriff zu definieren bzw. kulturgeschichtlich einzuordnen, zeigen sich die Wissenslücken der öffentlichen Meinungsbildner.
Ulrich Grober gelingt es in seinem Buch “Die Entdeckung der Nachhaltigkeit”, die Geistesgeschichte der Nachhaltigkeit nicht nur überzeugend nachzuzeichnen, sondern in einem sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Schreibstil Parallelen zwischen Philosophie, Literatur, Geschichte, Theologie, Musik, Mythologie sowie Populärkultur zu ziehen und damit zu zeigen, dass das Konzept der Nachhaltigkeit tief in unserer menschlichen Kultur verwurzelt ist – sozusagen eine anthropologische Konstante darstellt. Die Häufigkeit, in der der Begriff der Nachhaltigkeit derzeit fällt, spiegelt im Prinzip nur die Krise wider, in der wir bzw. die Erde sich befinden.
Denn der Begriff ist selbst das “Produkt” einer Krise, die unserer heutigen sehr ähnlich war. Damals ging es auch um ein Ressourcenproblem, welches die Menschen vor neue Herausforderungen stellte und eine Änderung in den Lebensgewohnheit notwendig machte. Nur die Ressource war damals eine andere als heute, nämlich Holz. Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz prägte den Begriff 1713, als im sächsischen Bergbau das Holz knapp wurde, das für den Verbau der Schächte benötigt wurde. In diesem Zusammenhang reformierte Carlowitz die Forstwirtschaft und machte sie “nachhaltig”.
Neben diesen Parallelen stellt Ulrich Grober außerdem dar, wie die Verknüpfung der verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit, wie etwa der Gedanke der Ökologie, entstanden sind und wie bzw. wann die Verknüpfung zwischen diesen Aspekten stattfand. So spannt er einen Bogen von Franz von Assisi über die mittelalterliche Theologie, die Frühaufklärung, die Entwicklung der Forstwirtschaft bis hin zu den Klimagipfeln unserer Tage.
Ulrich Grober hat nicht nur eine hervorragende Kulturgeschichte geschrieben, sondern sein besonderer Verdienst liegt insbesondere darin, über den Weg der Sprache sowie der Begriffsgeschichte, zur Klärung und Sensibilisierung des Themas “Nachhaltigkeit” beizutragen.

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