Erneut Missstände in Spielzeugfabriken aufgedeckt

Dec 18, 2011 by     1 Kommentar    Posted under: China, Fairer Handel Aktuelles, Spielsachen

fair-spieltDer deutsche Spielwarenhandel erzielt fast ein Drittel seines Jahresumsatzes in der Vorweihnachtszeit. Das bekommen auch die Arbeiter/Innen in den chinesischen Spielzeugfabriken zu spüren, denn im Weihnachtsgeschäft läuft die Produktion auf Hochtouren. Arbeitszeiten von 14 Stunden pro Tag und über 70 Stunden pro Woche sind dann keine Seltenheit. In den Industrieländern bekommen die Kinder mehr Spielzeug denn je, während die Arbeiter/Innen in China bis zum Umfallen arbeiten müssen. Ist das mit dem Weihnachtsgedanken vereinbar? Wohl kaum!

Die Aktion fair spielt setzt sich gemeinsam mit Partnern in Asien und Europa für die Beachtung der Menschenrechte und grundlegender Arbeitsstandards in den Lieferketten der Spielzeugfirmen ein. Und das ist auch bitter nötig, denn laut einer aktuellen Firmenumfrage der Aktion werden Spielzeughersteller und Handel ihrer Verantwortung für die Beachtung der Menschenrechte in den Spielzeugfabriken ihrer fernöstlichen Lieferanten nicht gerecht. Und der ICTI CARE-Prozess, das vom Weltverband der Branche initiierte Programm für ethische Spielwarenproduktion, erweist sich weitgehend als Papiertiger.

Das belegt auch eine Pressemitteilung, die Anfang Dezember von der Hongkonger Arbeitsrechtsorganisation SACOM veröffentlicht wurde. Ihr liegen drei Fallstudien über die Zustände in chinesischen Spielzeugfabriken und die Rolle des ICTI CARE-Prozesses zu Grunde.
Demnach hatte SACOM hatte Sommer 2011 verdeckte Untersuchungen in drei Spielzeugfabriken durchgeführt, die Lieferanten bekannter Markenfirmen sind. Alle drei Fabriken sind seit mehreren Jahren im Rahmen des ICTI CARE-Prozesses schon mehrmals kontrolliert worden, und immer wieder wurde ihnen mit dem Zertifikat des Programms bescheinigt, dass die Arbeitsbedingungen den Vorgaben entsprechen. Dagegen haben die Untersuchungen von SACOM jetzt zum wiederholten Male gezeigt, dass in allen drei Fabriken – trotz ihrer Beteiligung am ICTI CARE-Prozess – weiterhin gegen grundlegende Arbeitnehmerrechte verstoßen wird.

Und auch die Auftraggeber werden ihrer Verantwortung, wie sie in den „Leitprinzipien“ der Vereinten Nationen zu Wirtschaft und Menschenrechten festgehalten ist, nicht gerecht. Kein Spielzeughersteller oder -händler legt nach Kenntnis der Aktion fair spielt seiner Geschäftstätigkeit ein Konzept unternehmerischer Sorgfalt zur Gewährleistung der Menschenrechte bei seinen Lieferanten zu Grunde. Und nur eine Minderheit beteiligt sich am ICTI CARE-Prozess des Weltverbandes der Spielzeugindustrie. Das Ergebnis der  aktuellen Firmenumfrage: Von 116 Unternehmen, die in Fernost produzieren lassen, legten lediglich 48 für wenigstens einen ihrer Lieferanten einen Nachweis vor, dass die Arbeitsbedingungen in dessen Betrieb den Regeln des Programms entsprechen. 42 Unternehmen produzieren nur in Deutschland und der Europäischen Union. Von 87 Firmen ist nicht bekannt, wo ihre Produkte hergestellt werden.

Chinesische Arbeiterin

Daher stellt die Aktion fair spielt für diejenigen, die an Weihnachten ihrer Verantwortung als Konsumenten gerecht werden möchten, ein Firmenliste zur Verfügung. Und wahrscheinlich ist weniger in diesem Fall mehr.

Quelle: www.fair-spielt.de

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  • […] müs­sen. Ist das mit dem Weih­nachts­ge­dan­ken ver­ein­bar? Wohl kaum!«, meint das Blog. Wei­ter lesen… Tags:Arbeiterinnen, China, Christliche Gedanken, Fairer Handel, Menschenrechte, Spielzeug, […]

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