Fairer Handel: Organe und Organisation

Mar 7, 2012 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Allgemein
  • Der Faire Handel gliedert sich zunächst in die Akteure des Nordens (der Industrieländer, vor allem im europäischen Raum) und die Akteure des Südens (Produzenten). In den Industrieländern handelt es sich um eine Vielzahl von Importorganisationen und Initiativen, in den Entwicklungsländern haben sich die Produzenten zum Teil zu Kooperativen zusammengeschlossen.
  • Die drei größten Fair-Handelsorganisationen in Deutschland sind die GEPA (gegründet 1975), El Puente und Dritte-Welt-Partner (dwp). Sie importieren die Produkte aus Afrika, Lateinamerika und Asien, kümmern sich um den Vertrieb und gegebenenfalls um die Verarbeitung.
  • TransFair e.V. (gegründet 1992) ist eine Siegel-Organisation und vergibt das Fair-Trade-Siegel (früher TransFair-Siegel) gegen Lizenzgebühr an Produktgruppen, die nach den FLO-Standards gehandelt und produziert werden.
    Die Mitglieder von TransFair e.V.  sind vorwiegend zivilgesellschaftliche aber auch kirchliche Organisationen und Initiativen (z.B. Brot für die Welt, MISEREOR, Friedrich-Ebert-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Verbraucher- und Umweltorganisationen).
  • Die FLO (Fair Trade Labelling Organization) ist eine übergeordnete Dachorganisation, die sich mit der Erarbeitung der Fair Trade Standards sowie deren Kontrolle beschäftigt. Sie unterteilt sich einerseits in die FLO international, die die Produktstandards festlegt und kommuniziert, und die Zertifizierungsorganisation Flo.cert.
    Die FLO vereint gegenwärtig 19 Label-Initiativen aus 24 Ländern sowie 3 regionale Produzentenorganisationen als Vertreter von Kleinfarmern und Arbeitern in Afrika, Südamerika und Asien (“Coordina-dora Latinoameriacana y del Caribe de Concercio Justo” ((CLAC) aus Lateinamerika, “African Fair Trade Network” (AFN) aus Afrika und “Network of Asian Producers” (NAP) aus Asien) sowie externe Experten. Die FLO koordiniert die verschiedenen Zertifizierungsinitiativen.
  • Fair-Trade-Siegel: Die FLO hat eine Vereinheitlichung der Siegel erreicht, so dass seit Februar 2003 das weltweit einheitliche “Fair-Trade-Logo” existiert. Es wird an Handelsunternehmen, Importeure und Lebensmittelhersteller vergeben.  Über die Zertifizierung entscheidet ein Zertifizierungskomitee, das sich aus Vertretern der Produzenten, Labelling-Initiativen und externen Experten zusammensetzt. Bei erfolgreicher Zertifizierung muss eine Gebühr für die Lizenz gezahlt werden.
  • Lizenzgebühr: Seit 2004 entrichten die Mitglieder des FLO Board eine Gebühr, die bei Aufnahme und dann jährlich in Form einer Verlängerungsgebühr entrichtet wird. Dazu kommt eine jährliche Gebühr, die von der Menge der fair gehandelten Produkte abhängt, die auf dem jeweiligen nationalen Markt abgesetzt wurden.
    Mit dieser Gebühr finanzieren sich die FLO sowie Transfair e.V. Im Gegenzug ermächtigt der Lizenzvertrag die Unternehmen, ihre Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel zu kennzeichnen. Die Kontrolle der Produzentengruppen erfolgt einmal jährlich durch Mitarbeiter der FLO oder Berater in den jeweiligen Ländern.
  • WFTO (World Fair Trade Organization): Bei der WFTO handelt es sich um einen Zusammenschluss der Fair-Handelsorganisationen weltweit. Ursprünglich wurde sie als “International Federation of Alternative Trade” (IFAT) im Jahr 1989 gegründet. Ihre Mitglieder setzen sich aus Unternehmen und Organisationen der gesamten Fair-Trade-Handelskette zusammen, das heißt aus Import, Export, Produktion, Marketing und Verkauf. Im Jahr 2011 hatte die WFTO 450 Mitglieder.
    Die WFTO verfügt über ein eigenes Kontrollsystem. Somit können auch Produzenten und Unternehmen Produkte anbieten, die noch keine Lizenzverträge mit der FLO haben. Außerdem stellt die WFTO eine Kommunikationsplattform zum Austausch von Erfahrungen und Informationen bereit.
  • EFTA (European Fair Trade Association): Die EFTA ist ein Zusammenschluss von aktuell zehn Importorganisationen auf europäischer Ebene.
  • Der Vertrieb von Fair Trade Produkten erfolgt über so genannte (Dritte-)Weltläden, Bio- und Feinkostläden sowie zunehmend über den Einzelhandel.
  • Weltladen Dachverband: Dachverband der (Dritte-)Weltläden mit Sitz in Mainz. Der Weltladendachverband koordiniert und vertritt aktuell etwa 800 Weltläden. Die Mitgliedschaft ist optional. Die Weltläden entrichten eine Gebühr, die sich an ihrem Umsatz orientiert. In anderen europäischen Ländern gibt es ebensolche Organisationen, wie etwa die claro Fair Trade AG in der Schweiz.
  • NEWS! (Network of European Worldshops): Seit 1994 der Dachverband für Weltläden auf europäischer Ebene.
  • FINE: Gesamtorganisation der vier Verbände FLO,  IFAT,  NEWS! und  EFTA mit unterschiedlichen Zielen. Die FLO möchte den Verkauf von Fair Trade Produkten im konventionellen Handel fördern, während FLO,  IFAT,  NEWS! daran arbeiten, die Effizienz von Fair-Trade-Organisationen zu verbessern. Außerdem strebt die FINE eine Standardisierung der Kriterien für die Auswahl der Produzenten und die Umsetzung des Konzeptes des Fairen Handels an.
  • FTF (Fair Trade Federation): Zusammenschluss aus Produzenten, Groß- und Einzelhändlern in Nordamerika.
  • FTA (Fair Trade Association): Organisation aus Großhändlern und Importeuren.

 

Quelle und Literaturhinweis: Hauff, Michael von; Claus, Katja: Fair Trade. Ein Konzept nachhaltigen Handels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, 2012.

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