Umsonstladen: Nachhaltiger Konsum mal anders

Jun 27, 2012 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles

Das Verständnis dafür, was nachhaltiger oder “bewusster” Konsum bedeutet, kann abhängig von der Kultur stark voneinander abweichen. In unserer Überflussgesellschaft wird man sich dessen aber nur selten bewusst. Beispielsweise verstehen die Menschen in Westafrika unter nachhaltigem Konsum etwas ganz anderes als wir beziehungsweise kennen diesen Begriff nicht. Dabei leben sie in einer Region, in der der Konsum nicht wächst, sondern gleich bleibt, was im Prinzip der Grundgedanke “unserer” Nachhaltigkeit ist.
Prof. Dr. Hans Peter Hahn von der Universität Frankfurt hat hierzu einige Jahre vor Ort geforscht. Das Resumee seiner Studien ist, dass die Fähigkeit, den Alltag zu meistern, ohne den Konsum permanent auszuweiten, einer bewussten Hinwendung zu pragmatischen Lösungen bedarf (reparieren, für andere Zwecke wiederverwenden etc.) Er ist der Meinung, dass wir eine viel größere Offenheit für neue, vielleicht auch unkonventionelle Arten des Umgangs mit Dingen brauchen*.

Ein andere Form des “bewussten” Konsums

Ein alternatives Modell, wie man in einer Überflussgesellschaft konsumieren kann, stellt das Konzept des sogenannten “Umsonstladen” dar. Die Idee des “Umsonstladens” ist einfach: Oft hat man Dinge zu Hause, die man nicht mehr gebrauchen kann oder möchte. Diese liegen nutzlos herum, weil man sie zu “schade” zum wegwerfen findet oder man wirft sie weg, weil man nicht genug Platz hat.
Andere Menschen wiederum suchen genau diese Dinge, aber können und wollen sie sich nicht leisten. Solche Gegenstände kann man dann im “Umsonstladen” vorbeibringen und wenn man möchte, etwas anderes direkt mitnehmen. Man kann aber auch nur etwas mitnehmen, wenn man es braucht. Geld gibt es in den Umsonstläden nicht. Das bedeutet, dass Dinge, die für die Einen als “unbrauchbar” betrachtet werden, für Andere wieder “nützlich” werden. Das ist also eine etwas andere Form des  “bewussten” Konsums.

Umsonstladen Luftschloss in Würzburg

Und es steckt noch mehr dahinter

Daneben sind “Umsonstläden” oftmals in ein größeres Gesamtkonzept eingebettet. Sie integrieren andere ökologische und soziale Projekten oder beteiligen sich regelmäßig an gesellschaftspolitischen Veranstaltungen.
Was das Engagement in einem “Umsonstladen” bedeuten kann, erklärt Marce vom Umsonstladen “Luftschloss” in Würzburg:
“Mein Engagement beim Luftschloss bedeutet für mich, mit unterschiedlichsten Menschen Ideen verwirklichen zu können, mit denen man die Welt ein kleines bisschen besser macht. Dabei ist es egal, ob es nur um Ladendienst geht oder um andere Veranstaltungen. Man trifft interessante Menschen mit interessanten Einstellungen und findet für sich selbst heraus, was man selbst auch umsetzen kann. Außerdem ist man beim Ladendienst ständig mit Menschen in Kontakt, die sich über gefundene Dinge sehr freuen und einen immer wieder aufs neue von der Idee begeistern. Das motiviert ungemein!”

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst mal bei einem “Umsonstladen” vorbeizuschauen, findet hier eine Liste von Umsonstläden bundesweit.

 

* Hahn, Hans Peter: Gekauft wird nur, was ersetzt werden muss. Was nachhaltiger Konsum für die Menschen in Westafrika bedeutet. In: Forschung Frankfurt,  2010 (3):35-39.

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