Fair Trade Produkte im Ökotest

Aug 12, 2012 by     No Comments    Posted under: Bananen, Fairer Handel Kritisches, Kaffee, Schokolade / Kakao

Die aktuelle Ausgabe des Ökotest nimmt mal wieder Fair Trade Produkte unter die Lupe und stellt nebenbei noch eine ausgesprochen fragwürdige Aussage zum Fairen Handel.

Zunächst einmal zum Test:
In erster Linie kritisiert Ökotest die Vielzahl der Siegel und dass es keine gesetzlichen Bestimmungen und einheitlichen Standards gibt, wann fair gehandelte Produkte als solches bezeichnet werden dürfen. Für die Untersuchung wurden vier der wichtigsten Richtlinien zu Grund gelegt

  • Garantierte Mindestpreise, die Produktions- und Lebenshaltungskosten
  • Möglichkeit zur Vorfinanzierung der Produktion
  • Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne für Arbeiter
  • Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

Viele Produkte im Test schneiden mit “fair” ab, wie etwa Kaffee von Lebensbaum, Rapunzel, Mount Hagen, Kaffa Wildkaffee,  Bananen von Alnatura und Banafair und Schokolade von Dwp, El Puente, Gepa, Lidl und Rewe.
Nicht überzeugen konnten Kaffees mit den Labeln Rainforest Alliance Certified, UTZ Certified sowie der Verhaltenskodex 4C (Common Code of the Coffee Community). Letzteren bezeichnet Ökotest sogar als reines Marketinginstrument.

Das Ergebnis an sich ist im Prinzip nicht neu und war vorhersehbar. Was allerdings weniger vorhersehbar war, ist eine Textpassage am Ende des Artikels. Für mich stellt sich die Frage, was diese Textpassage im Kontext des Testes bedeuten soll. Denn Ökotest bezieht durch die Gewichtung der wiedergegebenen Aussagen selbst Stellung. Meiner Meinung nach widerspricht folgende Textpassage der Objektivität, die sich Ökotest so gerne auf die Fahnen schreibt und zeugt auch nicht von guter Sachkenntnis der Thematik:

“Unfair Trade, so war ein Bericht überschrieben, den das Londoner Adam Smith Institute im Frühjahr 2008 veröffentlichte. Er wird immer wieder zitiert, wenn es um Kritik am fairen Handel geht. Einer der zentralen Vorwürfe lautete: Der faire Handel behindere die wirtschaftliche Entwicklung. Er binde wettbewerbsunfähige Bauern an ihr Land, verhindere die Mechanisierung der Landwirtschaft und mache damit sogar zukünftigen Generationen die Chancen auf ein besseres Leben zunichte. Zudem komme vom Mehrpreis, den die Verbraucher für faire Produkte zahlen, nur ein Bruchteil bei den Bauern an, der größte Teil versickere in der Fairtrade-Bürokratie und im Handel. Folglich sei fairer Handel unfair, nur der freie Handel sei fair und mache reich, so Marc Sidwell, der Autor des Berichts.

Der Verein Transfair, der in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt, wies die Vorwürfe umgehend zurück – was nicht verwunderlich ist. Gewichtiger ist, dass verschiedene Studien die positiven Auswirkungen des fairen Handels belegt haben. “Unabhängige empirische Studien haben vielfach zeigen können, dass die wichtigsten Ziele des Systems in der Regel erfüllt werden”, fasst Valentin Beck vom Institut für Interkulturelle und Internationale Studien der Universität Bremen die Ergebnisse zusammen. So konnte Prof. Stockmann vom Centrum für Evaluation der Universität des Saarlandes zeigen, dass die Menschen in Fairtrade-zertifizierten Produzentenorganisationen besser lesen können, mehr sparen und um ein Vielfaches häufiger Mitglied in einer lokalen Institution sind als andere.

Das wirft die Frage auf, warum das Adam Smith Institute zu einem völlig anderen Ergebnis kommt. Laut Wikipedia gehörte die Denkfabrik zu “Thatcher’s inner circle”, also zum engsten Beraterkreis der damaligen englischen Premierministerin Maggie Thatcher. Zu deren Credo gehörte der durch nichts reglementierte, freie Handel. In einem solchen Konzept stört die Idee des fairen Handels mächtig. Wenig verwunderlich ist daher auch, wo der Bericht auf fruchtbaren Boden fiel. “Fair Trade: Zu schön um fair zu sein” fasst das Liberale Institut der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung die Vorwürfe zusammen. Für die Jungen Liberalen Österreich beweist Sidwell sogar, “warum Fair Trade die weltweite Armut fördert”.”

Quelle: Ökotest

Ich frage mich jetzt, warum Ökotest nicht auch die Tabakindustrie nach der gesundheitsfördernden Wirkung von Zigaretten befragt. Denn diese gibt es nicht, genauso wenig wie den “durch nichts reglementierte, freie[n] Handel.”

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