Fairer Handel: Rückblick und Ausblick

Der Faire Handel ist in Bewegung. Es sind neue Siegel entstanden, wie etwa “Naturland-Fair”, Fairtrade zertifizierte Produkte tauchen immer öfter im konventionellen Handel auf und etablierte Fairhandelshäuser wie die Gepa verzichten neuerdings auf die Fairtrade-Zertifizerung.

Verzicht auf das Fairtrade-Siegel

In diesem Jahr entschied sich die Gepa auf das Fairtrade-Siegel weitestgehend zu verzichten. Es wurde mit dem Button beziehungsweise Zeichen “fair plus” ersetzt. Dieses Zeichen soll auf die Mehrleistungen des Fairhandelshauses aufmerksam machen, die über die Mindestkriterien des Fairen Handels hinausgehen. El Puente begrüßt diese Entscheidung. Denn für das Fairhandelhaus El Puente, das wie Gepa eine Pionierrolle im Fairen Handel inne hat, war dies schon immer der richtige Weg. El Puente vertreibt sein Warensortiment, das rund 5000 Artikel umfasst, vorwiegend über Weltläden. Das Fairhandelshaus ist sich sicher, dass Kunden den Fachgeschäften des Fairen Handels genügend Vertrauen entgegenbringen. Das mache eine Kennzeichnung hinfällig. Des Weiteren sieht El Puente seine Aufgabe darin, gerade den benachteiligten Produzenten, die sich keine Zertifizierung leisten können, den Einstieg in den Fairen Handel zu erleichtern. Das Fairhandelshaus teilt die Meinung der Gepa, wonach es auch ohne Fairtrade-Siegel für 100% Fairer Handel steht. Abgesehen davon können ohnehin nicht alle Warengruppen mit dem Fairtrade-Siegel zertifiziert werden. Das betrifft vor allem Kunsthandwerksprodukte, die eine tragende Säule des Fairen Handels sind.
Die Fairhandelshäuser El Puente, Gepa, DWP (Dritte Welt Partner) und BanaFair stehen für den Fairen Handel, den es bereits vor den Siegel-Intitiativen gab und der auch ohne Fairtrade-Siegel vertrauenswürdig ist.

Diskussion auf internationaler Ebene

Auf internationaler Ebene ist eine Diskussion im Gange, die sich mit dem Austritt von Fairtrade USA aus Fairtrade International (FLO) beschäftigt. Fairtrade USA nennt sich nun „Fairtrade For All – Comercio Justo Para Todos“. Ziel ist die Verdoppelung des Fairtrade-Absatzes in den USA bis zum Jahr 2015. Dies soll durch die Ausweitung der Zertifizierung auf Kaffeegroßplantagen sowie durch veränderte Standards bei Mischprodukten erreicht werden. Die WFTO (World Fair Trade Organisation) befürchtet, dass Keinbauern bei diesen Änderungen gegenüber Plantagen benachteiligt werden und unter Umständen nicht mehr konkurrenzfähig sein werden.

Das neue Siegel der WFTO (World Fair Trade Organisation)

Die WFTO arbeitet seit einigen Jahren an der Entwicklung eines Fair-Trade-Siegels für Kunsthandwerkprodukte. Die Mitglieder der WFTO sind vor allem Produzenten, die fair gehandeltes Kunsthandwerk herstellen. Die WFTO hat erkannt, dass seit Einführung des Fairtrade-Siegels für Lebensmittel vor etwa 20 Jahren, die Umsätze stark gestiegen sind. Deswegen erhofft sich die Organisation auch einen Umsatzzuwachs für Fair Trade Kunsthandwerk mit der Einführung eines entsprechenden Siegels. Die Siegelvergabe soll nicht produktbezogen erfolgen – wie bei Lebensmittel – sondern produzentenbezogen.

Wie wird es 2013 weitergehen?

Mit dem WFTO-Siegel kann womöglich schon 2013 gerechnet werden, denn es gibt bereits 80 Pilotprojekte, die sich an der Umsetzung der Siegel-Entwicklung beteiligen. Auf manchen Produkten, beispielsweise des Produzenten Asha, befinden sich bereits jetzt schriftliche Hinweise auf eine Zertifizierung durch die WFTO.
Durch die einheitliche Zertifizierung von Kunsthandwerkprodukten wäre es sehr denkbar, dass diese auch in den konventionellen Handel Einzug halten werden. Das wird von den Fair Handels-Akteuren sowohl mit Argwohn als auch mit Hoffnung betrachtet.
Entsprechend kontrovers ist auch die Diskussion um die zunehmende Präsenz von Fairtrade-Produkten im konventionellem Handel, und hier insbesondere in Discountern. Droht hier eventuell eine Spaltung des Fairen Handels in zwei Blöcke? Oder können die Fairhandelspioniere ihre Marktposition durch ihren “Alleingang” weiter festigen und ausbauen? Die Entwicklung des Fairen Handels bleibt also auch 2013 spannend!

Quellen:
http://www.fairer-handel-aktuell.de/2012/05/19/fairdammt-fairsiegelt-im-siegel-dschungel
http://www.fairer-handel-aktuell.de/2012/06/16/gepa-macht-mehrwert-sichtbar
http://www.fairer-handel-aktuell.de/2011/03/11/neues-fair-handels-siegel-und-erste-zertifizierte-fair-handels-organisation/
Pujila, Ingeborg: Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel, in: El Puente informiert 2013.

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