29C3: Sind faire Computer möglich?

Jan 4, 2013 by     Keine Kommentare    Posted under: China, DR Kongo, Fairer Handel Aktuelles, Green IT

Ende Dezember fand der 29. Chaos Communication Congress (29C3) des Chaos Computer Clubs e. V. (CCC) in Hamburg statt. CCC ist die größte europäische Hackervereinigung und seit über dreißig Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen. Dieses Mal stand auch die Diskussion um den “fairen” Computer auf der Agenda. Sebastian Jekutsch vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) gab Auskunft über den Stand der Entwicklung fairer Informationstechnologie. Der Vortrag stellte die Markenhersteller nicht an den Pranger, sondern informierte über faire Initiativen und zeigte Wege zu “fairen” Computern auf.

Erste Schritte in die richtige Richtung

Jekutsch berichtete, dass es bereits Ansätze zur Serienfertigung eines “fairen” Computers gibt, allerdings überwiegen noch die Probleme. Daher gäbe es noch keinen Computer zu kaufen, bei dem der Käufer sicher sein kann, dass alle Rohstoffe nachhaltig gewonnen wurden und die Arbeitsbedingungen in allen Produktionsschritten fair seien.
Eine “Vorzeigeinitiative” sei laut Jekutsch, die “faire” Computermaus von Nager IT, die 2012 in Deutschland auf dem Markt gekommen ist. Allerdings sei diese Computermaus nur zum Teil fair. Denn Widerstände, Kondensatoren und Leiterplatte würden in Deutschland produziert; Chip, Linse und Scrollrad stammten aber noch aus Fernost. Über die Arbeitsbedingungen, unter denen sie hergestellt würden, sei wenig bekannt. Außerdem bleibe zu bemängeln, dass ein Transfer von Wissen in Länder mit aufstrebenden Volkswirtschaften nachwievor nicht stattfinde.
Jenkutsch lobte außerdem das niederländische Projekt FairPhone, das unter anderem Lötzinn einsetze, das aus konfliktfreiem Erz gewonnen wurde. Zinn wird für die Lötung der Leiterplatinen benötigt. Zwar ist China der Hauptlieferant, wenn die Preise hoch sind und das Angebot knapp wird, greift die Industrie aber gerne auf die großen Vor­räte im Osten des Kongos zu. Das mit konfliktfreiem Erz produzierte Smartphone soll ab 2013 verkauft werden.

Hersteller müssen aktiv werden!

Weitere faire Initiativen suche man aber vergebens, so Jenkutsch. Dies liege vor allem daran, dass an der Gerätefertigung sehr viele Akteure beteiligt seien und die globale Lieferkette nur schwer zu überblicken sei. Außerdem sei es bei IT-Geräten kaum möglich, eine “Gegenbewegung von unten” zu gründen, wie es bei fair gehandelten Grundnahrungsmitteln oder traditionellem Kunsthandwerk möglich sei. Denn “niemand von uns kann einen kompletten Computer bauen, wir sind von der Industrie abhängig”, erläuterte Jekutsch. Die Konzerne müssten daher selbst aktiv werden. Dies könnte mit Aktionen und Protesten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, einheitlichen Siegeln und Zertifikaten sowie Veröffentlichungen von Fairness-Rankings der Hersteller, wie es Greenpeace für grüne Elektronik betreibe, erreicht werden.

Das FIfF beobachtet und berichtet seit längerem über die Ent­wick­lung in Sachen fairer Elektronik. > Mehr dazu auf der Themenseite für faire Computer.

Vortrag Faire Computer

Vortrag über “faire” Computer von Sebastian Jenkutsch

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