Ausgepresst! Neue Studie über die Ausbeutung in der Orangensaft-Lieferkette

Oct 26, 2013 by     No Comments    Posted under: Brasilien, Deutschland, Fairer Handel Aktuelles

Studie "Im Visier Orangensaft"Deutschland ist Fruchtsaft-Weltmeister und größter Abnehmer von Orangensaft aus Brasilien. Die kürzlich von der Christlichen Initiative Romero (CIR) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) veröffentlichte Studie  stellt die gesamte Orangensaft-Lieferkette von den Plantagen Brasiliens bis in die deutschen Supermärkte dar und deckt prekäre Arbeitsbedingungen auf: „Sowohl in den Fabriken als auch auf den Plantagen wird unter extremem Druck und ohne angemessene Schutzvorkehrungen gearbeitet. Ausbeutung zu Hungerlöhnen auf den Plantagen und in den Saftfabriken ist Alltag“, bringt Sandra Dusch Silva von der entwicklungspolitischen Organisation Christliche Initiative Romero die Rechercheergebnisse aus Brasilien auf den Punkt.

Konzernkonzentration ist alarmierend!

Die Konzernkonzentration – in Brasilien wie in Deutschland – ist alarmierend. Obwohl die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensaftes aus Brasilien stammt, betreiben aufgrund von Wettbewerbsverdrängung gerade mal drei Großkonzerne Orangenanbau und Konzentratgewinnung. Auch am Ende der Lieferkette stehen immer weniger Handelskonzerne, die in Deutschland Lebensmittel anbieten. Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi vereinigen 85 Prozent Marktanteil auf sich und beeinflussen damit erheblich indirekt die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten. Auch die Ausbeutung von Arbeitskräften ist nicht nur in Brasilien traurige Realität: „In Deutschland alarmiert insbesondere die Verantwortungsflucht der tarifgebundenen Unternehmen Edeka und Rewe. Durch Ausgründung an selbstständige Kaufleute entstehen nahezu betriebsratsfreie und tariflose Bereiche, in denen Kaufleute nach eigenem Ermessen über die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten entscheiden“, so Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Leiterin des Fachbereichs Handel. Sandra Dusch Silva, CIR, fordert: „Es muss endlich etwas passieren! Denn wirtschaftliche Macht und Verantwortung für gute Arbeitsbedingungen gehören zusammen.“

Mit der Veröffentlichung der Studie setzen CIR und ver.di an, den Druck auf die deutschen Handelsriesen zu erhöhen, sodass diese dem eigenen Anspruch einer sozialen Unternehmensverantwortung endlich gerecht werden.

> Zur Studie

Quelle: ver.di und CIR

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