Gourmets als Chance für Kaffeebauern in Kolumbien

Jul 12, 2014 by     No Comments    Posted under: Kaffee, Kolumbien

Gastbeitrag von Johannes Wagenknecht von Kanwan:

Auch wenn Kolumbien mit vielen anderen Dingen Schlagzeilen gemacht hat, es ist und bleibt ein Kaffeeland. Mehr als ein halbe Million Familien leben hier vom Kaffeeanbau. Verglichen mit anderen Kaffeeanbau-Ländern, geht es ihnen dabei relativ gut. Hat doch der Verband der Kaffeebauern (FNC) [1] durch seine Qualitätspolitik einen Preisaufschlag an der New Yorker Börse erwirkt, sowie viel für Ausbildung und Infrastruktur in den ländlichen Regionen getan. Kolumbien ist eines der wenigen Länder, in denen die Erlöse guter Kaffeejahre tatsächlich bei den Kleinbauern ankommen. [2] Auch die Löhne der Landarbeiter sind vergleichsweise höher. In Brasilien liegen diese beim 2,1 fachen der lokalen Armutsgrenze, in Kolumbien beträgt dieser Faktor 3,5. [3] Dieser relativ hohe Standard ist aber ein Nachteil im internationalen Wettbewerb. Solange die Kaffeetrinker nicht die unglaubliche Vielfalt von Kaffee entdecken und mehr Individualität im Supermarktregal verlangen, steht der händisch an steilen Hängen kultivierte Kaffee in direktem Wettbewerb zur maschinell geernteten Massenware von riesigen Plantagen in anderen Ländern. Dass die kolumbianischen Kleinbauern hier immer im Nachteil sind, liegt auf der Hand.

Die Bauern und Kooperativen freuen sich daher über den aktuellen Trend, dass mehr und mehr Spezialitäten-Röster zu Besuch kommen und den Kaffee für ihren spezifischen Kundenkreis direkt einkaufen. Es ist aber nicht nur der bessere Preis und die verringerte Abhängigkeit von den Launen der Börse, der die Menschen erfreut. Ganz besonders genießen sie die Wertschätzung, die damit dem Ergebnis ihrer Mühen entgegengebracht wird.

Es sind aber nicht nur kleine Röster, die erkannt haben, dass beste Kaffee-Qualität nur von gut ausgebildeten Bauern und motivierten Arbeitern hervorgebracht werden kann. Erfreulicherweise investieren auch einige (wenige) der globalen Kaffeemarken in die Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern: Ethiktest – Kaffee-Markenfirmen im Vergleich.

Sind Sie ein Gourmet? Dann machen Sie sich doch auf die Suche nach ihrem speziellen Lieblingskaffee für das Frühstück, für den Vormittag, als Aperitiv … Seien sie neugierig und experimentieren sie! Machen sie nicht halt bei Mischungen und Terroir-Kaffees, sondern versuchen sie auch sortenreine Lagenkaffees.[4] Es gibt eine unendliche Vielfalt von Aromen und Geschmacksrichtungen, da gibt es für jede Gemüts- und Lebenslage Ihren idealen Kaffee. Und tun sie sich und anderen Gutes — sparen sie nicht am Genuss!

 

Quellen:

1) Federación Nacional de Cafeteros

2) Gavin Fridell, Fair Trade Coffee: The Prospects and Pitfalls of Market-driven Social Justice, eBook loc. 3174

3) ECLAC, Panorama Social de América Latina 2006, Tabelle 25

4) Sortenreine “single estate” Kaffees sind das Pendant zu sortenreinen Winzerweinen. Bei kanwan gibt es solche Kaffees aus Kolumbien, die noch dazu im Anbauland geröstet und verpackt werden.

Rohkaffee aus Kolumbien

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