Undifferenzierte Berichterstattung zum Fairen Handel

Aug 23, 2014 by     2 Kommentare    Posted under: Fairer Handel Aktuelles, Kaffee

Nach der kritischen Arte-Dokumentation “Der Faire Handel auf dem Prüfstand” von Donatien Lemaître hat nun auch die Zeit einen Artikel zum Fairen Handel mit dem Titel “Wenn Kaffee bitter schmeckt” veröffentlicht. Sowohl die Dokumentation als auch der Zeitungsartikel sind undifferenziert und zeugen von mangelndem Sachwissen. Dabei stellen sie die Wirkung des Fairen Handels generell in Frage. Daher möchte ich aus aktuellem Anlass an dieser Stelle die wesentlichen Aspekte der Stellungnahme von Transfair e.V. zusammenfassen und damit die Aussagen dieser Berichterstattung relativieren.

So stellen weder die Dokumentation noch der Zeit-Artikel den Gesamtzusammenhang dar, in dem Fair Trade tätig ist und innerhalb dessen Produzenten und lohnabhängig Beschäftigte vom Fairen Handel profitieren. Wer den Anspruch des Fairen Handels allein auf monetäre Aspekte reduziert, hat nicht verstanden, mit wem und für wen Fairtrade eigentlich arbeitet. Der Faire Handel möchte vor allem die Lebensverhältnisse von Kleinbauern verbessern. Dabei handelt es sich natürlich nicht um gut ausgebildete, informierte und auf hohem Produktivitätsniveau stehende Agrarbetriebe. Ihre “mangelnde Effizienz” zu kritisieren, stellt nicht den Fairen Handel in Frage, sondern liegt vielmehr in ihrer marginalisierten gesellschaftliche Stellung sowie deren Ursachen begründet.

Und was ist eigentlich „”Effizienz“”? Versteht man unter “Effizienz” die optimale Nutzung aller Produktionsfaktoren, das heißt materieller und immaterieller Mittel und Leistungen, so gilt es zunächst diese zu betrachten. Die materiellen und immateriellen Produktionsmittel der Kleinbauern sind durch ein tiefgreifend ungerechtes, hochkomplexes Welthandelssystem bestimmt. Wie so oft bei komplexen Problemen, werden auch hier vielfältige Ansätze benötigt, um darauf zu reagieren. Der Faire Handel ist nicht das Allheilmittel für die Ungerechtigkeiten des weltweiten Handelssystems. Aber er ist ein Werkzeug, das Kleinbauern und Beschäftigten hilft, ihre Situation schrittweise zu stabilisieren und zu verbessern.
Und um die Lebensverhältnisse tatsächlich zu verbessern, müssen neben dem monitären Aspekt weitere Faktoren wie Selbstorganisation und Selbstbestimmung, Demokratie, Partizipation, Gleichberechtigung, Umweltschutz und Biodiversität berücksichtigt werden. Die Reduktion auf das Wort „Effizienz“ blendet diese komplexe Realität weitestgehend aus. Die Wirkung des Fairen Handels entfaltet sich in einem kontinuierlichem Prozess, der allen Beteiligten viel Durchhaltevermögen und Kraft abverlangt.

Welche Relevanz und vor allem welche Wirkung Fairtrade auf Kaffee-Kleinbauernorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika hat und was kritische Faktoren für eine optimale Wirkung sind, haben verschiedene wissenschaftliche Erhebungen bereits in ausgewogener Form untersucht:

Natürlich zeigen die verschiedenen Studienergebnisse aber auch, dass weiterhin viele Probleme zu bewältigen sind, das heißt, dass der Faire Handel seine Wirkung nicht optimal entfalten kann. So sind für die Wirkung des Fairen Handels beispielsweise kontinuierlich hohe Verkäufe nötig. Nach wie vor können aber viele Kooperativen nur einen Teil der Ernte unter fairen Bedingungen verkaufen, da die Nachfrage nicht ausreichend vorhanden ist. Aber auch hier zeigt der Monitoring Report von Fairtrade International  eine positive Entwicklung von Fairtrade-Produzentenorganisationen in allen Anbauregionen auf.

Die ausführlichen Stellungnahmen der FLO sowie von TransFair e.V. kann man hier nachlesen:
> Stellungnahme der FLO zur Arte-Dokumentation “Der Faire Handel auf dem Prüfstand” von Donatien Lemaître, die erstmals am 6. August 2013 ausgestrahlt wurde.

> Stellungnahme von Transfair e.V. zum Zeit-Online-Artikel „”Wenn Kaffee bitter schmeckt”“ vom 18.08.2014.

Zum Schluss möchte ich noch auf den Bedeutungsunterschied von Fair Trade (also dem Fairen Handel) und Fairtrade hinweisen. Der Faire Handel an sich ist ein komplexes System, das man nicht auf das Fairtrade-Siegel reduzieren kann. Mehr dazu in meinem Artikel “Fairer Handel – Prinzipien und Aspekte“.

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