Bio- & Ahimsa-Seide von “Seidentraum”

Sep 19, 2014 by     3 Comments    Posted under: Kleidung, Online-Shops

Wie wird Seide gewonnen?

Zur Gewinnung der Maulbeerseite in China werden die Kokons nach ihrer Vollendung durch die Seidenraupe getrocknet. Im ersten Schritt der Verarbeitung weicht man dann die Kokons in einer heißen alkalischen Lösung auf, um das Sericin, den Seidenleim, zu lösen und um den Seidenfaden abhaspeln zu können. Es kann ein bis zu 1500 m langer Endlosfaden von einem Kokon gewonnen werden. Aus minderwertigen oder beschädigten Teilen des Kokons werden die kurzen Fasern zu Schappeseide (Spinnseide) verarbeitet.

Traditionell ist in Indien die Wildsammlung beheimatet. In den Wäldern werden die von den Faltern verlassenen Kokons gesammelt und der Weiterverarbeitung zugeführt. Im Rahmen von Programmen zur Einkommensgenerierung der armen ländlichen Bevölkerung sind landwirtschaftliche Projekte entstanden, in denen der Tussahseidenspinner gezüchtet wird.

Was ist Ahimsa-Seide?

Beeinflusst durch die Philosophie der Gewaltlosigkeit (Mahatma Gandhi) wird die Seidenzucht oft im Sinne der “Ahimsa” betrieben (sanskrit: das Nicht-Verletzen). Hier werden die Kokons der Seidenraupe erst verarbeitet, wenn der Falter geschlüpft ist. Der Falter ätzt ein Loch in den Kokon, durch das er sich heraus zwängt. Der Kokon ist also beschädigt, und es ist nicht mehr möglich, einen Endlosfaden abzuwickeln. Die relativ kurzen Fadenstücke müssen erst versponnen werden, um eine Weiterverarbeitung (in der Weberei) zu ermöglichen. Daraus sind früher die traditionellen Wildseidenstoffe entstanden.

Unterschiede der textilen Stoffe

Der Faden des Maulbeerseidenspinners ist, bedingt durch fünf Jahrtausende der Zucht, eine sehr feine und regelmäßigen Faser. Nach dem Entfernen des Sericins ist das Filament nahezu weiß. Stoffe aus Maulbeerseide haben einen starken Glanz, fühlen sich glatt an und fallen weich und geschmeidig. Sie entsprechen der üblichen Vorstellung eines Seidenstoffes.

Bei der Wildsammlung oder Ahimsa-Methode müssen die Fasern versponnen werden, damit sich ein Stoff daraus weben lässt. Die Seide der indischen Seidenraupen weist eine gebliche bis bräunliche Farbe auf und ist zudem sehr viel unregelmäßiger und grober. Doch wenn die Seidenfasern gut entbastet und zu Garnen versponnen werden, ergeben sich sehr weiche und griffige Stoffe mit interessanten Texturen. Tussah-Seidenstoffe sind weniger glänzend, schwerer und “robuster” als Maulbeer-Seidenstoffe.

Ökologische und soziale Aspekte

Wenn die Seidenzucht als biologische Landwirtschaft betrieben wird, kann eine Zertifizierung nach der sogenannten Öko-Verordung, als “kontrolliert biologische Tierhaltung” (kbT) erfolgen. Der Futteranbau für die Raupen erfolgt ohne Herbizide und Pestizide, die Tierhaltung ohne Hormone und Antibiotika.

Der Verarbeitung der Rohseide zu textilen Stoffen kann dann nach den Regeln des Global Textile Standards (GOTS) oder der IVN Best-Zertifizierung erfolgen. Bei diesen beiden Qualitätssiegeln fließen ökologische, nachhaltige und soziale Parameter in die Beurteilung ein.

Die Standards legen fest, welche Substanzen in der gesamten Kette verwendet werden dürfen und welche Arbeitsbedingungen einzuhalten sind. Grundlage für faire Arbeit sind die Normen der International Labour Organization (ILO).

Regelmäßige Qualitäts- und Rückstandskontrollen sind ebenso verpflichtend für die Erlangung eines der beiden Zertifikate, wie auch die lückenlose Dokumentation und Rückverfolgung des Endprodukts bis zu seinem Ursprung. Damit ist sichergestellt, dass der Verbraucher eine Textilie in Händen hält, die tatsächlich unter fairen, ökologischen und nachhaltigen Kriterien gefertigt werden.

Bio- & Ahimsa-Seide von “Seidentraum”

Der Traum “Bio-Seide öko & fair” von Matias Langer begann im Oktober 2010 bei einer Begegnung mit der indischen Designerin Kamaldeep Kaur.  Auf der weiteren Suche nach Alternativen zur herkömmlichen Seide macht er die Entdeckung des SABA-Projekts in China und durch den indischen Ingenieur Kusuma Rajaiah lernte er die Philosophie des „Ahimsa” kennen: Die Art und Weise, Seidengewebe herzustellen und dem Falter vorher das Schlüpfen aus dem Kokon zu ermöglichen. Das Sortiment an Ahimsa-Seide fand schnell seine Liebhaber unter den Designern und Textilschaffenden, die sich aus ethischen Gründen für diese Art der Seidengewinnung begeistern konnten. Somit bietet das aktuelle Seitentraum-Sortiment Bio-Seidenstoffe und Ahimsa-Seide.

Seither sind weitere Verbindungen nach Indien entstanden, so dass sich Langers Traum verwirklichen ließ, handgewebte und pflanzengefärbte Ahimsa-Seide aus biologischer Seidenzucht anbieten zu können. Mit Prakash Jha hat Matias Langer einen Partner gefunden, der sich der Herstellung von Seidengeweben auf der Grundlage von handgewebter Tussah- und Eriseide verbunden mit sozialem Engagement verschrieben hat.
> Seidentraum

Bluse aus Bio-Seide

 

 

3 Comments + Add Comment

  • Ich freue mich ergänzen zu können, dass mein indischer Partner COCCCON nach langen Mühen jetzt die GOTS-Zertifizierung für die Verarbeitung von Wolle und Seide erhalten hat.

    Künftig kann ich auch viele der Bio-Ahimsa-Seidenstoffe GOTS zertifiziert anbieten.

    Link zum Shop: Bio-Ahimsa-Stoffe…

    • Hallo Matias,

      super Neuigkeit! Vielen Dank für die Ergänzung!

      Viele Grüße,
      Anna

  • Liebe Seiden-Freunde!

    Wir haben ganz aktuell eine Kooperation zwischen Seidentraum und der GIZ India im Rahmen des Projekts “Climate Change Adaption North-East India” gestartet. Ziel ist es, der Bevölkerung in Meghalaya durch nachhaltige Seidenzucht und Textilherstellung aus Eriseide eine Lebensgrundlage unter veränderten klimatischen Bedingungen zu ermöglichen. Die Produkte sind vorzüglich für den Bereich Eco Fashion geeignet.

    Herzliche Grüße aus Leipzig

    Matias

    Mehr über das Projekt: http://www.seidentraum.eu/pdf/MEG/Lebensunterhalt_durch_Klimawandel_gefaehrdet.pdf

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