Die Heimat des Kaffees – hier gedeiht er noch als Wildpflanze

May 13, 2015 by     No Comments    Posted under: Äthiopien, Kaffee, Online-Shops

Gastbeitrag von Christian Biewald – Fair Einkaufen

Einer bitterarmen Provinz in Äthiopien verdankt die Welt ihr liebstes Heißgetränk: In Kaffa ist Kaffee seit jeher als Wildpflanze heimisch. Nun spielen die urwüchsigen Kaffeebäume eine Schlüsselrolle bei der Rettung des bedrohten äthiopischen Regenwaldes. Es ist kaum zu glauben dass noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts vierzig Prozent von Äthiopien mit Wäldern bedeckt waren. Doch eine rasant wachsende Bevölkerung und deren Holzbedarf sowie die zunehmende Kultivierung von Flächen durch eine oft ineffiziente Landwirtschaft haben den Waldbestand bis heute auf mickrige drei Prozent zusammenschrumpfen lassen. Weite Teile des gebirgigen Landes sind inzwischen versteppt, der Grundwasserspiegel sinkt stetig. Nur in Kaffa ist die Welt der Regenwälder noch halbwegs in Ordnung. Vielleicht auch, weil das Gebiet als entlegen, rückständig und arm gilt. Straßen sind nach wie vor Mangelware. Das Einzige was es hier immer in Hülle und Fülle gibt, sind wilde Kaffeebäume. Sie haben die Kultur der Bevölkerung seit Jahrhunderten geprägt. Kaffee ist das Lebenselixier der Menschen. Alle trinken ihn, sogar schon im Kindesalter. Und nun erhöht der Wildkaffee die Chancen, den bedrohten Wald nachhaltig zu retten und die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region anzukurbeln. Seit sich nämlich mit der koffeinhaltigen Delikatesse aus Äthiopiens Wäldern in Europa Absatzmärkte finden, lohnt sich der Naturschutz auch für die Einheimischen. Statt den Regenwald zu roden, verdienen immer mehr Kaffeebauern ihren Unterhalt mit Kaffee. In guten Jahren können sie sogar einen Teil der Einkünfte zurücklegen und für größere Investitionen sparen.

Kaffa-Region in Äthiopien

Coffea arabica gehört zu den wenigen wichtigen Welthandelsprodukten, die noch als Wildpflanzen in ihrer Heimat vorkommen. Und das in einer ungeheuren genetischen Vielfalt. Mehr als 5.000 Arabica-Varianten haben Wissenschaftler in den äthiopischen Nebelwäldern nachgewiesen, im gesamten Rest der Welt sind es dagegen nur ein paar Dutzend. Äthiopischer Wildkaffee ist damit nicht nur bedeutend vielfältiger als Plantagenkaffee, sondern auch robuster und widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten. Um den Wildkaffee nachhaltig zu schützen braucht es intelligente Lösungsansätze – wie etwa jenen eines Biosphärenreservats. In diesem Reservat sind lediglich zehn Prozent der Gesamtfläche als Kernzone ausgewiesen. Sie dürfen nur mit einer Genehmigung betreten werden. In den großen Pufferzonen des Reservats hingegen können die Bauern Kaffee zu festgelegten Zeiten ernten. Der Wald wird davon nicht in Mitleidenschaft gezogen, vorausgesetzt jeder hält sich an die Rahmenbedingungen. Die Rettung des Waldes erfordert jedoch noch mehr Maßnahmen. So sind etwa in den vergangenen Jahren 11.000 energiesparende Öfen verteilt worden. Die Öfen, in denen auch Kleinholz und Gartenabfälle verfeuert werden können produzieren weniger CO2 und Rauch als die einfachen Feuerstellen aus Feldsteinen. Dadurch wurde der Holzbedarf massiv gesenkt. Als zusätzliche Einnahmequelle für die Region wird außerdem der Aufbau eines sanften Tourismus geplant. Im Biosphärenreservat werden rund um das Thema Kaffee Wanderpfade, Campingplätze und ein Besucherzentrum errichtet. Die Regierung lässt aktuell sogar ein Kaffeemuseum bauen. All das trägt ganz entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region bei, welche durch den Fairen Handel zusätzlich unterstützt wird.

Kaffeeernte in Kaffa

Hier noch ein paar Zahlen, die die Bedeutung des Kaffees illustrieren: Jeden Tag werden rund 150 Millionen Dollar für den Koffeinkick einer Tasse Kaffee ausgegeben, das jährliche Marktvolumen bewegt sich derzeit bei 60 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche Menge Rohkaffee, die auf den weltweit 10 Millionen Hektar Anbaufläche pro Jahr geerntet wird, beträgt 130 Millionen Säcke à 60 Kilo. Insgesamt sind etwa 25 Millionen Menschen mit dem Anbau und der Verarbeitung von Kaffee beschäftigt – nicht schlecht für ein Produkt, das wohl nur sehr subjektiv zum Überleben nötig ist.

Bei Fair Einkaufen finden sich insgesamt sechs Wildkaffeesorten aus der Region Kaffa im Sortiment. Neben einem kräftigen Espresso führt der Online-Shop für faire Produkte auch eine milde und eine mittelstarke Kaffeesorte – jeweils als ganze Bohne und gemahlen. Jede dieser Sorten unterzieht Fair Einkaufen einer Gesamtbewertung, welche in Form einer Collage dargestellt wird. In dieser geht das Augenmerk zunächst auf die Herkunft der fair gehandelten Zutaten, in diesem Fall also der Kaffeebohnen. In einem zweiten Schritt wir der Kaffee geschmacklich genau unter die Lupe genommen und dessen Intensität, Aroma und individueller Charakter bewertet. Basierend darauf vergibt Fair Einkaufen ein Geschmacksurteil in Form von “Lupen”. Die Skala reicht von einer bis zu fünf Lupen. Bevor die Gesamtbewertung entsteht, wird noch ein genauer Blick auf den Fairtrade-Anteil des Produktes geworfen. Besonders interessant ist das bei Mischprodukten wie Schokolade oder aromatisiertem Tee. Bei Kaffee gilt natürlich – nur 100% ist fair. Im Falle eines Fairtrade-Anteils unter 65%, zieht Fair Einkaufen von der Geschmacksbewertung eine Lupe ab. Dadurch erhält der Faire Gedanke eine besondere Gewichtung in der Gesamtbewertung.

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