Fairtrade International veröffentlicht weltweite Zahlen

Sep 3, 2015 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles

Eineinhalb Millionen Bauern und Arbeitskräfte auf der ganzen Welt profitieren von erneut gestiegenen Fairtrade-Absätzen. Das zeigt der heute erschienene Jahresbericht von Fairtrade International. Produzentinnen und Produzenten erhielten Fairtrade-Prämiengelder in Höhe von rund 105 Millionen Euro, die sie in ihre Betriebe und soziale Projekte investierten – ein Anstieg um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Fairtrade International Bericht für das Jahr 2014-15 mit dem Titel „Globaler Wandel, lokale Expertise” beleuchtet die Vorteile, von denen die 1,5 Millionen Fairtrade-Produzenten in 74 Ländern profitierten. Für den Erfolg sind höhere Absätze von klassischen Produkten wie Baumwolle und Kakao verantwortlich. Neu dazugekommen sind weitere Bezugsquellen von Fairtrade-Gold.

Weltweit 5,9 Milliarden Euro für Fairtrade-Produkte

Im vergangenen Jahr gaben Verbraucherinnen und Verbraucher weltweit 5,9 Milliarden Euro für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel aus, davon entfallen 827 Millionen Euro auf den deutschen Markt. Absatzstärkstes Produkt sind mit rund 439.000 Tonnen Bananen (+18%), gefolgt von Kaffee mit rund 93.000 Tonnen (Rohkaffee, +12%). Hervorzuheben sind zudem die positiven Entwicklungen bei Baumwolle (+28%), Kakao (+24%) – wovon fast die Hälfte der zusätzlich verkauften Mengen auf die neu eingeführten Fairtrade Programme zurückgehen – und Gold (+259%). Das starke Wachstum bei Gold geht vor allem auf eine Überarbeitung des Standards zurück, wodurch Goldschmiede nun einfacher Fairtrade-Gold ankaufen können.

Produzenten mit Unterstützung zufrieden

Eine aktuelle Umfrage von Fairtrade International zur Zufriedenheit der Mitglieder ergab, dass 93 Prozent der Produzenten mit der von ihnen erhaltenen Unterstützung durch Fairtrade zufrieden sind. Dies Resultat untermauert die Ergebnisse einer Erhebung der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLOCERT, die meldete, dass Produzenten Fairtrade durchschnittlich mit neun von zehn Punkten bewerten, was für die positive Wirkung von Fairtrade für Kleinbauern und Arbeitskräfte spricht.

Die Studie zeigt außerdem, dass seitens der Produzenten ein hoher Bedarf an mehr Marktzugängen besteht. Fairtrade fördert daher auch den Süd zu Süd Handel, damit Produzentenorganisationen ihre Waren auch auf regionalen Märkten verkaufen können. So rief Brasilien in diesem Jahr als viertes Produzentenland eine Fairtrade Marketing Organisation ins Leben. Die dortigen Verbraucherinnen und Verbraucher können nun auch heimischen Fairtrade-Kaffee und -Honig kaufen. Marketing Organisationen gibt es außerdem in Südafrika, Indien und Kenia.

Expertise und Zugang zu Finanzierung

Der Bericht „Globaler Wandel, lokale Expertise“ vermeldet außerdem, dass Fairtrade dazu beitrug, Produzentenorganisationen die Unterstützung zu vermitteln, die sie zur Stärkung ihrer Betriebe benötigen. Im Jahr 2014 stellte der Fairtrade-Zugangsfonds Kleinbauernorganisationen Mittel in Höhe von 11,1 Millionen Euro bereit. Damit der verbesserte Zugang zu Geldmitteln möglichst effektiv genutzt wird, unterstützte Fairtrade die Kooperativen mit Beratungen und Schulungen zum Thema Finanzmanagement.

Die Kooperativen werden gleichzeitig auch ermutigt, selbst Initiative zu ergreifen. So investierte die Kibinge Kaffeekooperative einen Teil ihrer Fairtrade-Prämie in den Aufbau einer Kreditgenossenschaft, damit Bauern in dieser abgelegenen Region Ugandas bei Bedarf Kredite aufnehmen können.

Jahrhunderterlange Marginalisierung und Ausbeutung abzubauen braucht Zeit

Nichtsdestotrotz bleiben die Lebens- und Arbeitsbedingungen für viele Bauern auf der ganzen Welt problematisch. „Die Bedrohungen, denen arme Bauern und Arbeitskräfte heute ausgesetzt sind, sind Resultat jahrhundertelanger Marginalisierung und Ausbeutung“, betont Harriet Lamb, Geschäftsführerin von Fairtrade International, „Fairtrade kann dabei helfen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu mindern und ein globales Ernährungssystem zu verändern, dass derzeit sowohl auf Kosten der Menschen als auch unseres Planeten geht. Doch dafür gibt es keine schnellen Lösungen. Ein deutlicher Wandel ist nur möglich, wenn die Stimmen von Kleinbauern und Arbeitskräften auf höchster Regierungs- und Wirtschaftsebene Beachtung – und eine entsprechende Reaktion – erhalten.“

 

Quelle: TransFair e.V.

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