“Ein ethischer Umgang mit Geld ist möglich…”

Sep 4, 2015 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles, Faires Geld

Liegt das Geld erst einmal auf der Bank, machen sich die meisten keine Gedanken mehr darum. Doch das sollten wir, findet Agnes Dieckmann. Die Verbraucher-Campaignerin bei urgewald klärt auf über die Finanzierung von Atomkonzernen, Kohleindustrie und Waffenbauern durch Bankgeschäfte im Speziellen sowie über das unethische Geschäftsgebaren von Banken im Allgemeinen .

Agnes Dieckmann

Agnes Dieckmann, Verbraucher-Campaignerin bei urgewald

Fairer Handel Aktuell:
Frau Dieckmann, warum sind Sie hier auf der Messe?

Agnes Dieckmann:
Fairer Handel und faire Geldanlagen gehören für mich eins zu eins zusammen. Ich glaube, dass sich das Thema noch viel zu wenig verbreitet hat. Und hier auf der Messe stoßen wir auf ein Publikum, das für dieses Thema sensibel ist. Man kann auf der einen Seite nicht fairen Kaffee und faire Schokolade kaufen und auf der anderen Seite sein Geld in Firmen stecken, die Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören. Aber dieses Bewusstsein ist bei vielen Verbrauchern leider noch nicht vorhanden.

Fairer Handel Aktuell:
Wie lange beschäftigt sich urgewald bereits mit Finanzen und welche Gemeinsamkeiten gibt es mit dem Fairen Handel?

Agnes Dieckmann:
Urgewald beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Finanzen. Angefangen haben wir mit dem Beobachten von öffentliche Projekten der Weltbank und inwieweit Aktivitäten der Bank zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden führen. Schnell haben wir dann festgestellt, dass die Privatbanken einen viel stärkeren Einfluss auf die Wirtschaft haben als die öffentlichen Banken – eben durch die Finanzierung von Atom- und Kohlekraftwerken oder die Rüstungsindustrie. Und da war es naheliegend zum einen mit diesen Banken in einen Dialog zu treten und zum anderen die Verbraucher aufzuklären.

Und das ist genau das, was auch der Faire Handel macht. Er zeigt nicht nur, was schlecht ist, sondern er bietet Alternativen an – und zwar sehr gute Alternativen. Denn, wenn ich die Welt verändern will, brauche ich Anknüpfungsmöglichkeiten. Und das geht über Proteste hinaus. Man kann zwar Petitionen unterschreiben, um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen, aber man kann auch ganz konkret etwas zu tun. Indem man sein Geld beispielsweise zu einer Alternativbank gibt. Um von vornherein dafür zu sorgen, dass kein neues Kohlekraftwerk finanziert wird – nicht mit dem eigenen Geld.

Fairer Handel Aktuell:
Ist es sichergestellt, dass die alternativen Banken wirklich nur ethisch vertretbare Projekte finanzieren?

Agnes Dieckmann:
Ja, denn die Banken haben klare Ausschlusskriterien, die jeder nachlesen kann. Ausgeschlossen werden zum Beispiel Rüstung, Gentechnik, Atom- und Großprojekte wie der Bau von Kohlekraftwerken, wobei die Banken die Kriterien unterschiedlich gewichten. So gibt es nicht nur die Alternativbanken, sondern auch Kirchenbanken, die eher kirchliche Werte vertreten und bei denen der Umweltschutz nicht im Vordergrund steht. Es gibt aber auch die Umweltbank, die ihren Fokus bei den grünen Geldanlagen setzt.
Daneben haben diese Banken sogenannte Positivkriterien für die Vergabe von Krediten, beispielsweise im Bereich erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft, nachhaltige Unternehmen oder soziale Projekte wie Kindergärten, Krankenhäuser… Die Transparenz ist hier entscheidend. Die GLS-Bank veröffentlicht beispielsweise jeden Kredit, den sie vergibt. Da kann man direkt nachgucken, wohin das Geld geht.

Fairer Handel Aktuell:
Um konkret zu werden – welche alternativen Banken empfehlen Sie?

Agnes Dieckmann:
Es gibt in Deutschland drei Vollbanken: GLS-Bank, Triodos-Bank und Ethikbank, bei denen man als Privat- und Geschäftskunde alle Produkte bekommt, die es bei jeder konventionellen Bank gibt – sprich von Girokonto, über Tagesgeldkonto bis hin zur Rentenversicherung. Ferner empfehlen wir Kirchenbanken mit unterschiedlicher Präferenz. Wenn Ihnen christliche Werte wichtig sind, dann können diese Banken auch eine Alternative zu konventionellen Banken darstellen.

Fairer Handel Aktuell:
Liebe Frau Diekmann, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

 

> Mehr über die Aktivitäten und Projekte von urgewald erfahren.

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