Von ökologischem Gold und Fairtrade Goldbergbau…

Gold ist ein Luxusgut, das man sich insbesondere zur Hochzeit in Form von Trauringen gönnt. Aber kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wie Gold gewonnen wird. Edelmetalle werden nach wie vor meist unter Einsatz von Cyanid und Quecksilber, mit hohem Wasserverbrauch, hohen CO2-Emissionen und zerstörerischen Wirkungen auf Boden, Luft und Trinkwasser abgebaut. Zudem leben und arbeiten die Minenarbeiter häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen und erhalten keine angemessenen Löhne. Der Hamburger Goldschmied und Schmuckdesigner Jan Spille berichtete auf der Messe Fair Trade & Friends in Bonn über seine Reise zu Bergbaukooperativen in Peru, Bolivien und Argentinien. Zusammen mit der Schmuckdesignerin und Fotografin Heike Bühler besuchte er Kooperativen, die auf ökologisch und sozial gerechte Weise Gold und Silber abbauen, aber auch konventionell arbeitende Bergbaubetriebe.

Goldschürfer

Copyright: Jan Spille*Schmuck

Eco Andina – Ökologisches Gold aus Argentinien

Die Reise führte die beiden Hamburger unter anderem zu den Goldschürfern von Eco Andina. Die Dörfer der Goldschürfer befinden sich in der Provinz Jujuy im Nordwesten Argentiniens auf circa 3500 bis 3800 m Höhe. In das Community Mining-Projekt sind derzeit rund 60 Goldschürfer aus sieben Dörfern eingebunden. Das Gold wird im Schwerkraftverfahren mit Waschschüsseln und Waschrinnen gewonnen. Für die Gewinnung werden keine giftigen Chemikalien eingesetzt, wie beispielsweise Quecksilber oder Cyanid und die anfallenden CO2 Emissionen sind vergleichsweise minimal.

Jan Spille - Landkarte der Bergbaureise durch Südamerika

Copyright: Jan Spille*Schmuck

Konventioneller Bergbau in Bolivien

Auf dem Weg nach Argentinien haben die Schmuckdesigner einen Zwischenstopp in Potosí in Bolivien eingelegt, wo verschiedene Metalle in konventioneller Weise abgebaut werden. Potosí ist mit 4070 Meter Höhe die höchst gelegende Großstadt der Welt. Die Schächte und Stollen führen viele hundert Meter weit und tief in den Berg hinein. Die Erze, die neben Silber unter anderem auch Kupfer, Zinn und Zink enthalten, werden mit Dynamit aus dem Berg gesprengt. Anschließend wird das Gestein mit Loren an die Erdoberfläche transportiert und in sogenannten Plantas zermahlen. Aus dem feinen Steinstaub können dann mit verschiedenen Chemikalien im Flotations-Verfahren die einzelnen Metalle getrennt werden. Die Situation in den Minen ist desolat und die Arbeitssicherheit ist sehr schlecht. Zudem wird die Umwelt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Jan Spille ist sich sicher, dass hier noch viel getan werden muss, um Arbeits- und Umweltstandards zu verbessern.

Fairtrade-Gold aus Peru

In Peru besuchten Jan und Heike die Bergbaukooperative Sociedad de Trabajeres Mineros / Sotrami. Sotrami ist die erste und derzeit einzige Bergbaukooperative Perus, die von Fairtrade International (FLO) zertifiziert wurde und seit 2011 das Fairtrade Siegel tragen darf. Die Goldmine der Kooperative liegt auf circa 2500 Meter Höhe in der Wüstenregion Ayacuchos. Die Fairtrade-Kriterien umfassen unter anderem Gleichberechtigung, Verbot von Kinderarbeit, Fairtrade Mindestpreis und Fairtrade-Prämie, Arbeitsschutz und Sozialversicherung. Die rund 700 Arbeiter der Kooperative arbeiten im Untertagebau in Bergwerkstollen und -schächten. Dabei folgen sie den Goldadern bis auf 900 Meter Tiefe. Das goldhaltige Erz wird abgebaut und mit Loren an die Erdoberfläche transportiert. Hier wird das Gestein nach Goldgehalt sortiert und von einer selbstorganisierten Frauengruppe zusätzlich aufgearbeitet und geprüft.

Jan Spille mit den Bergbauarbeitern in Sotrami

Jan Spille mit den Minenarbeitern in Sotrami. Copyright: Jan Spille*Schmuck

Einziger Wermutstropfen: Auch wenn die Kooperative heute nicht mehr mit Quecksilber arbeitet, kann sie bei dieser Art der Lagerstätte nicht auf den Einsatz von Cyanid verzichten. Allerdings unterliegt sie hierbei hohen Umweltauflagen, sodass das verwendete Wasser und Cyanid in einem geschlossenen Kreislaufsystem immer wieder neu gewonnen und verwendet wird.

Das Thema Fair Trade Gold ist demnach viel diffiziler, als es zunächst den Anschein erweckt. Daher arbeitet Jan Spille hauptsächlich mit mit den Bergbau-Gemeinschaften Oro Verde in Kolumbien und Eco Andina in Argentinien zusammen. Die Kooperativen sind zwar nicht mit dem Fairtrade-Siegel zertifziert, arbeiten aber ohne Chemikalien. Die Produzenten leben und arbeiten unter menschenwürdigen Bedingungen und es werden faire Löhne gezahlt. Jan Spille bezahlt für das gewonnene Gold 145% des Weltmarktpreises! Durch die direkte Versorgung aus den Minen werden Zwischenhändler ausgeschlossen und die Herkunft der Rohstoffe kann lückenlos nachvollzogen werden. Laut Homepage entstehen für Trauringe aus ökologischem Gold Mehrkosten von circa 15 %.

Die Goldschmiede von Jan Spille gehört zu zu den ersten Schmuck-Unternehmen in Deutschland, das mit dem Fairtrade-Siegel zertifiziert wurde und das Siegel nun offiziell tragen darf!

Bergbauarbeiter in Sotrami / Peru

Copyright: Jan Spille*Schmuck

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