WFTO “Guaranteed Fair Trade”: Ein neues Fair Trade-Siegel. Muss das sein?

Fair-Trade-Siegel der WFTOWenn über den Fairen Handel berichtet wird, so in erster Linie über das Fairtrade-System bzw. Fairtrade-Siegel. In Anlehnung an die aktuelle Veröffentlichung “Welt und Handel” möchte ich auf ein anderes Siegel aufmerksam machen, das den Fairen Handel in seinen verschiedenen Facetten besser repräsentieren kann als das Fairtrade-Siegel. Die Rede ist vom WFTO-Logo mit dem Zusatz “Guaranteed Fair Trade”. Das neue Fair Trade-Siegel und ein dazugehöriges Zertifizierungsverfahren starteten 2013.

Wer ist die WFTO und was leistet das neue Siegel für den Fairen Handel?

Bei der WFTO (World Fair Trade Organization) handelt es sich um einen Zusammenschluss der Fair-Handelsorganisationen weltweit. Ursprünglich wurde sie als “International Federation of Alternative Trade” (IFAT) im Jahr 1989 gegründet. Ihre Mitglieder setzen sich aus Unternehmen und Organisationen der gesamten Fair-Trade-Handelskette zusammen, das heißt aus Import, Export, Produktion, Marketing und Verkauf. Die WFTO ist demnach eine wichtige Institution des Fairen Handels, lediglich das Siegel mit dem Zusatz “Guaranteed Fair Trade” ist neu.

Das WFTO-Siegel besagt, dass eine Organisation oder ein Produkt in der Gesamtheit anhand von zehn Kriterien überprüft wurden und diese erfüllen. Langfristig soll das Label ein weltweit gültiger Hinweis darauf sein, dass eine Organisation, ein Weltladen oder ein Produkt zu 100 Prozent und in der kompletten Wertschöpfungskette dem Fairen Handel angehören.

EL Puente als eine der ersten Organisationen zertifizert

El Puente war eine der Organisationen, die einem Pilotprojekt teilnahmen, und im Rahmen dessen zertifiziert wurden. Mit der erfolgreichen Zertifizierung hat El Puente seitdem die Möglichkeit, alle Produkte, sowohl Lebensmittel als auch Kunsthandwerk, mit dem WFTO-Siegel zu versehen. Fair gehandeltes Kunsthandwerk, für das es bisher kaum Siegelmöglichkeiten gab, profitiert ganz besonders von dieser Entwicklung. El Puente nutzt das WFTO-Siegel bereits weitflächig, vor allem auch in Abgrenzung zum Fairtrade-Siegel.

Die zehn Prinipien WFTO-Prinzipien für Fairen Handel

  • Schaffen von Marktchancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzenten. Fairer Handel ist eine Strategie  zur Armutsbekämpfung  und Einkommenssicherung sowie zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung.
  • Transparente Geschäftsführung und fairer sowie respektvoller Umgang mit den Handelspartnern.
  • Fairer Handel dient nicht der Gewinnmaximierung. Die Geschäftsbeziehungen sollen auf Vertrauen und Solidarität basieren. Die Käufer leisten bei Bedarf Vorauszahlungen, um die Produzenten vor Verschuldung zu bewahren. Langfristige Liefervereinbarungen und Abnahmeverträge gewährleisten den Produzenten über einen längeren Zeitraum ein sicheres Einkommen und Planungssicherheit.
  • Der Preis für die Ware wird zwischen den Handelspartnern gemeinsam festgelegt. Die Bezahlung muss von den Produzenten als fair und sozialverträglich bewertet werden.
  • Kinderarbeit und Zwangsarbeit sind ausgeschlossen.
  • Geschlechtergleichheit & Versammlungsfreiheit müssen gewährleistet sein.
  • Die Arbeitsbedingungen müssen mindestens den lokalen gesetzlichen Anforderungen  und den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) genügen.
  • Der Faire Handel hilft den Produzenten ihre Qualifikation zu verbessern, damit sie sich auf dem Markt selbstständig & nachhaltig behaupten können.
  • Die Organisationen des Fairen Handels schaffen ein Bewusstsein für die Ziele des Fairen Handels und versorgen die Verbraucher/innen mit umfassenden Informationen.
  • Die  Herstellung fair gehandelter Produkte soll die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Angestrebt werden die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen. Produkte aus ökologischer Landwirtschaft werden bevorzugt in den Handel aufgenommen.

Noch ein weiteres Siegel im Fairen Handel? Muss das sein?

Ja, denn das Fair Trade-Siegel der WFTO beschreibt den gesamten Weg eines Produktes – von der Herstellung über den Transport bis hin zur Verteilstelle und dem Geschäft, in dem es letztendlich gekauft wird. Es umfasst alle wichtigen Aspekte des Fairen Handels – auch den Umweltschutz. Leider werden die verschiedenen Dimensionen des Fairen Handels in der breiten Öffentlichkeit noch nicht in Gänze wahrgenommen. Das wird sich mit dem neuen Fair Trade-Siegel in Zukunft hoffentlich ändern.

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