Fairtrade Textil-Standard und Programm gestartet

Mar 22, 2016 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles, Kleidung

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch jährt sich im April zum dritten Mal. Seither wurde viel über die problematischen Bedingungen in der globalen Textilindustrie berichtet, doch für die ArbeiterInnen vor Ort hat sich wenig verändert. Hier setzt Fairtrade mit einem neuen Textilstandard und begleitendem Unterstützungsprogramm an, die heute veröffentlicht wurden und die den Fairtrade-Ansatz auf die gesamte textile Wertschöpfungskette ausweiten.

Pressebild Fairtrade Textil-Standard

TransFair e.V. / Anand Parmar

Existenzsichernde Löhne und feste Zeitvorgabe

Der neue Standard baut auf den bestehenden Fairtrade-Standard für lohnabhängig Beschäftigte auf und beinhaltet Kriterien, die die Arbeitsbedingungen, Lohnsituation und Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fokus stellen. Als erster Standard weltweit macht er dabei eine feste Zeitvorgabe für das Erreichen von existenzsichernden Löhnen. „Innerhalb von sechs Jahren müssen die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau angehoben werden“, so Martin Hill, Interim CEO, Fairtrade International. Nicht nur Textilfabriken, auch die Markenunternehmen werden in die Pflicht genommen, sie werden in Verträgen zu fairen und langfristigen Einkaufspraktiken verpflichtet. Dies bildet die Voraussetzung dafür, dass eine Lohnerhöhung überhaupt umsetzbar ist. Der Textilstandard stärkt die Position und Rechte der Beschäftigten in den Fabriken und versetzt sie in die Lage, ihre Arbeitsbedingungen eigenständig zu verhandeln.

Das Fairtrade-Textilprogramm

Um eine Veränderung vor Ort zu erreichen, ist die Unterstützung durch lokale Experten unabdingbar. „Es ist wichtig, dass die Fabrikbesitzer und Beschäftigten die Inhalte des Standards und die Beweggründe von Fairtrade verstehen, das ist die größte Herausforderungen bei der Umsetzung des Standards und in den Trainings vor Ort“, sagte Siva Parti, Experte für Umwelt, Gesundheit und Arbeitssicherheit bei Sustainable Textile Solutions. Das Fairtrade-Textilprogramm holt die Fabriken an dem Punkt ab, an dem sie stehen, und hilft ihnen, die hohen Anforderungen des Standards zu erfüllen. Dabei werden sie unter anderem in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz, Stärkung der Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern, existenzsichernde Löhne und Verbesserung von Effizienz und Produktivität geschult.

Verbraucher brauchen noch etwas Geduld

Die fertigen Produkte werden später mit dem Siegel „Fairtrade Textile Production“ gekennzeichnet. Dabei wird dem Verbraucher transparent kommuniziert, ob innerhalb der Lieferkette bereits existenzsichernde Löhne gezahlt werden oder ob das Unternehmen noch innerhalb der Sechsjahresfrist darauf hinarbeitet. Besonders ist auch, dass der Textilstandard neben der Verarbeitung von Fairtrade-Baumwolle auch andere nachhaltige Fasern in der Produktion erlaubt.

Zurzeit ist Fairtrade mit interessierten Unternehmen im Gespräch und hofft, bald erste Kooperationen ankündigen zu können. Der Standard kann ab Juni 2016 angewendet werden.  „Bis die erste Lieferkette komplett zertifiziert ist und die Verbraucher die ersten Textilien mit dem “Fairtrade Textile Production” Siegel im Geschäft kaufen können, wird es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“, so Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender TransFair e. V.

> Zum Fairtrade Textil-Standard

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