Fit für Fair?! – Fordere mehr Gerechtigkeit auf Obstplantagen

Jun 10, 2016 by     No Comments    Posted under: Fairer Handel Aktuelles, Früchte

Der Bericht „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ dokumentiert anhand der Bananenindustrie in Ecuador sowie der Ananasindustrie in Costa Rica die dramatischen sozialen und ökologischen Kosten des Anbaus tropischer Früchte für den deutschen Einzelhandel. Hierfür hat Oxfam Plantagen in Ecuador und Costa Rica besucht, mehr als 200 Arbeiter/innen befragen lassen und mit zahlreichen Experten gesprochen.

Gesundheitsgefahr durch Pestizideinsatz

Dem Bericht zufolge sind Plantagenarbeiter/innen und ihre Familien giftigen Pestiziden häufig schutzlos ausgeliefert. In Costa Rica setzen Lieferanten deutscher Supermärkte mehrere hochgiftige Pestizide ein, darunter das von der Weltgesundheitsorganisation als akut toxisch eingestufte Oxamyl. In Ecuador berichten 53 Prozent der Arbeiter/innen auf Rainforest-zertifizierten Plantagen, dass Flugzeuge Pestizide sprühen, während sie im Feld arbeiten. Bei Befragungen klagten die Arbeiter/innen in beiden Ländern über eine hohe Rate an Behinderungen, Fehlgeburten und Krebsleiden im Umfeld der Plantagen. Zudem leiden sie häufig unter Schwindel, Übelkeit und Hautallergien.

„Die Supermärkte kontrollieren das Aussehen der importierten Früchte penibel und geben ganze Lieferungen bei kleinsten Makeln zurück. Aber sie lassen es zu, dass die Menschen, die sie ernten, dabei vergiftet werden“, sagt Franziska Humbert, Studienautorin und Referentin für Arbeitsrechte bei Oxfam Deutschland.

Unterdrückung von Gewerkschaften

Der Bericht belegt, dass die Unterdrückung von Gewerkschaften auf Bananen- und Ananasplantagen Standard ist. Eine Folge davon: Mindestlöhne werden unterschritten, Überstunden nicht bezahlt, Arbeitsrechte missachtet. In keiner der 20 untersuchten Bananenplantagen gibt es eine unabhängige Arbeitnehmervertretung. Arbeiter/innen berichten von „schwarzen Listen“ mit den Namen von Gewerkschaftern. Bei einem Rainforest-zertifizierten Lidl-Lieferanten in Ecuador gaben 93 Prozent der Befragten an, dass sie aus Angst vor Repressalien keiner Gewerkschaft beitreten wollen. In Costa Rica werden Arbeiter/innen, die sich gewerkschaftlich engagieren, regelmäßig entlassen.

„Die deutschen Supermärkte dürfen ihre Profite nicht weiter auf Kosten von Mensch und Natur machen. Sie müssen endlich menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchsetzen und faire Preise zahlen“, sagt Franziska Humbert. „Auch die Politik ist gefordert. Die Bundesregierung muss Unternehmen dazu verpflichten, dass ihre Lieferanten Menschen- und Arbeitsrechte achten.“

Kampagne Fit Für Fair?!

Oxfam hat mit einem internationalen Netzwerk aus 19 Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften die Kampagne Fit für Fair?! gestartet. Diese fordert von Lidl, sich für den Gesundheitsschutz der Arbeiter/innen, faire Löhne und die Stärkung von Gewerkschaftsrechten einzusetzen. Die Schwarz-Unternehmensgruppe mit Lidl und Kaufland ist der größte Supermarktkonzern Europas.

> Jetzt fordern: Lidl, mach dich fit für fair!

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Bio-Fair Trade Bananen Verpackungsstation – hier kommt deutlich weniger Gift zum Einsatz. Copyright: Mirjam Haegele – Oxfam Deutschland

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