Fairchain – Neue Bezeichnung für eine gar nicht so neue Idee

In einem vor Kurzem erschienen Beitrag der Huffington Post ist die Rede von dem so genannten Fairchain-Modell. Damit ist gemeint, dass die Wertschöpfung eines Produktes im Herkunftsland passiert. Das heißt, dass Rohstoffe in den Entwicklungsländern verarbeitet und erst als fertiges Produkt in die Industrieländer exportiert werden.

Im Fairen Handel gibt es das schon lange

Der Artikel erzeugt den Eindruck, als wäre diese Idee vollkommen neu und erst jetzt würden einige Start-ups diesen Weg gehen. Aber die Idee ist keineswegs neu. Tatsächlich existiert sie im Fairen Handel seit vielen Jahren – nur eben nicht unter dem Namen Fairchain. Dazu muss man sich aber die einzelnen Produkte anschauen. Zwar ist diese Entwicklung bei einigen Produkten, wie beispielsweise bei Kaffee und Schokolade, noch relativ jung, allerdings gibt es Produkte im Fairen Handel, die seit ihrer Markteinführung komplett in den Ursprungsländern verarbeitet und verpackt werden. Viele Beispiel hierfür liefert beispielsweise der Fair Trade Pionier El Puente, dessen Produkte in den Weltläden zu finden sind.

Thema ist komplexer, als es scheint

Ausnahmen bilden aber meist Mischprodukte wie Süßigkeiten und Schokolade. GEPA, ein weiterer Pionier des Fairen Handels, hat gute Gründe, Schokolade in Europa zu produzieren. Denn für die Produktion wird bio-faire Milch verwendet. Spätestens seit den Protesten der Milchbauern in den vergangenen Jahren, weiß man, dass auch die lokalen Bauern um ihr Überleben kämpfen müssen. Dieser Aspekt wird bei der Herstellung von Schokolade allerdings bisher kaum bedacht. Ein weiterer Schokoladenhersteller, der nach diesem Prinzip verfährt, ist Zotter. Das Unternehmen mit Sitz in Österreich, bedient sich grundsätzlich regionaler Zutaten soweit es möglich ist. Und auch bei Kaffee gibt es kritische Meinungen, wie der Beitrag aus diesem Kaffee-Blog zeigt. Nicht falsch verstehen, ich möchte die Leistung der einzelnen Unternehmen keinesfalls schmälern, aber das Thema ist deutlich komplexer, als es zunächst scheint und es gilt Vorteile und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Fairer Handel leistet mehr

Der oben genannte Artikel spricht eigentlich nur von Fairtrade und bezieht sich somit auf die Siegelorganisation TransFair e.V.. Der Faire Handel an sich, der seit Jahrzehnten viele Verbesserungen für die Menschen in den Entwicklungsländern erzielt hat, bleibt dabei unberücksichtigt. Dabei ist Fairer Handel viel mehr als Arbeitsplatzbeschaffung und Wertschöpfung. Der Faire Handel arbeitet bevorzugt mit Kleinbauern zusammen und macht es erst möglich, dass sie von ihren Produkten leben können. Gleichzeitig wird die lokale Infrastruktur gestärkt und die Umwelt geschont. Die Nachhaltigkeit im Sinne der Regionalentwicklung ist damit absolut gegeben. Davon habe ich mich selbst bereits zweimal bei bekannten Kleinbauern-Kooperativen überzeugt.

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