Klimawandel im Kaffeeanbau und wie Kooperativen dem begegnen

Apr 7, 2018 by     No Comments    Posted under: El Salvador, Honduras, Kaffee, Mexiko

Gastbeitrag von Jan Braunholz von der Kaffeekampagne El Salvador / Mexico

Ernteausfälle in Mittelamerika und Mexiko

Die Roya de Cafe (Kaffee-Rost) ist eine immer wieder zyklisch auftretende Pilzkrankheit (Hemileia Vastatrix), die die Blätter der Kaffeepflanzen angreift und deren Aufkommen zu erheblichen Ernteverlusten in den letzten Jahren führte. Begünstigt durch den Klimawandel, La Niña-Effekt, Temperaturanstieg, Starkregen-Ereignisse und starke Winde verbreiteten sich die Royapilz-Sporen mit großer Geschwindigkeit durch Mittelamerika und Mexiko. Ausgangspunkt war Südamerika (siehe dazu auch “Adios Arabica”).

El Salvador Las Lajas Trockenfläche

Kaffeebauern der Kooperative Las Lajas in El Salvador.

Biobauern am schlimmsten betroffen

Die Gesamternte in Mexiko brach von ehemals 6.2 Millionen Sack im Jahr 1999/2000 auf 2.2 Millionen Sack im Jahr 2015/16 zusammen. Verstärkt auch durch den Preisverfall und zurückgehende Anbaufläche von 762 tausend Hektar auf 680 tausend Hektar. Mexiko war einmal der größte Bio-Anbieter auf dem Kaffeeweltmarkt. Doch gerade der kleinbäuerliche und kooperative Bioanbau wurde infolge mangelnder Gegenmittel besonders heftig betroffen. Die Agrarbehörde SAGARPA reagierte nur langsam und forcierte zusammen mit der Kaffeefirma AMSA, die für Nestle einkauft, den Anbau von resistenten Sarchimor und Marsellesa-Varietäten. Sie sind aber für den gehoben Markt nicht geeignet und treiben dadurch die Anbauer in die Hände von AMSA und Nestle, das heißt in den niedrigpreisigen Markt. Die Anbauer kommen dadurch nicht einmal auf die Investitionskosten! Laut der Zertifizierungsorganisation CERTIMEX wurden auch div. Roya-Bekämpfungspakete verteilt, die aber nicht für den Bioanbau zugelassen sind.

Krise kann auch eine Chance sein

Einige Kooperativ-Verbände haben mit homöopathischen Mitteln Erfolge erzielen können. CERTIMEX bietet entsprechende Kurse an. Die Kooperativen in Chiapas haben damit ihren Anbau zum Teil stabilisieren können.
Die Hauptwelle der Roya geht jedoch weiter in Richtung Norden und hat z.B. im Gebiet Cordoba/Veracruz komplette Ernten und Anbauflächen zerstört. In Oaxaca beginnt man bei der Kooperative Michiza Yeni Navan mit der kompletten Renovierung der überalterten Cafetales (Kaffeeplantagen). So werden in der Sierra Norte im Ort San Miguel Yotao und Tenatze mit Unterstützung eines Technikers der Uni UNAM Chapingo/Veracruz diverse neue Varietäten in unterschiedlichen Höhenlagen getestet:
untere Zone bis 1200  m: Geisha, Kaffa, Bourbon, Oro Azteca, Colombia, Costa Rica, Sarchimor;
obere Zone ab 1200m : Geisha, Bourbon, Kaffa, Caturra, Criollo, Mondo Novo, Fruto Cuadrado, Pacamara.
In der untersten heißen Zone wird nun verstärkt Kakao, Pfeffer und Zimt angebaut. Außerdem gibt es eine Regenwürmerzucht und Maßnahmen zur Verbesserung der Düngung.
Der Ingeniero von Chapingo ist der Auffassung, dass die Roya-Krise auch eine Chance für die Kaffeebauern sein kann. Denn sie würden nun statt Kaffee nur zu pflücken, auch mehr über Anbautechnik und Agrarökologie lernen. Ähnliches sagte auch der Experte von CERTIMEX, denn im Bioanbau gibt es eigentlich nur ein zugelassenes Spritzmittel, nämlich das vom Weinbau her bekannte Kupfersulfat, auch Bordeaux-Brühe genannt. Oder eben homöopathische Mittel und Mikro-Organismen sowie teure Stabbakterien-Präparate wie z.B. Royano.

Michiza san miguel yotao productora de cafe

Zapatistische Kooperativen haben besonders gelitten

Bei der Coop Cesmach in Jaltengo/Chiapas hat man ebenfalls mit Homöopathie Erfolge erziehlt. Ebenso bei den Coops San Fernando, Maya Vinic und Tzeltal-Tzotzil in den Altos von Chiapas. In den oft halb zapatistischen Comunidades wurden auch neue Varietäten getestet (Catimor, Guarnica, Oro Azteco, Costa Rica 95, Geisha).
Dadurch haben die zapatistischen Coops profitiert. Sie hatten besonders unter der Roya zu leiden, weil alle staatlichen Hilfen abgelehnt werden. Auch wurde die Roya-Pest bei den Juntas de Buen Gobierno vor Jahren völlig falsch eingeschätzt und das Problem nicht beachtet – die Folge waren heftige Ernteverluste. Inzwischen hat sich aber auch hier die Situation verbessert und es wird zu neuen Exporten in neuen Strukturen dieses Jahr kommen. Einige Kooperativen haben es wie z.B. J´Amtelitik nicht geschafft und mußten schließen. Ebenso Fiech, diese aber aufgrund administrativen Fehlplanungen und Verfehlungen im Bio- und Fairtrade-Handel.

Klimawandel und Agrarökologie waren auch Thema auf dem zapatistischen Kongreß ConCiencias por la Humanidad in San Cristobal im Dezember 2017. Es gab diverse Vorträge von US Wissenschaftler/Innen, die über den Strukturwandel in der Lebensmittelproduktion und die Folgen des Klimawandels im Mais-Anbau Mexikos referierten. Die Problematik und Folgen sind dieselben wie im Kaffeeanbau: sie sind eine der Hauptgründe für die immer größere Migration in die großen Städte und nach Nordamerika.

Harte Rückschläge für Kaffeebauern in El Salvador

In El Salvador sind die Bio-Anbauer ebenso hart betroffen. Es gab Ernterückgänge von 80-90 % und einige Kooperativen wie z.B. Santa Adelaida fingen wieder an Chemikalien zu spritzen und gaben dem Bioanbau die Schuld an dem Roya-Desaster. Auch die Hauptlieferkooperative Las Lajas für den Biokaffee La Cortadora ist betroffen. Ein Grund sind die überalterten Cafetales, die nun mühsam mit teuren Krediten renoviert werden müssen. Ein Hektar kostet ca. 6000 $ US Dollar und die Verschuldung und das Risiko sind hoch. Selbst Oikokredit, eine alternativer Kreditgeber, lehnte die Förderung ab: die Aussichten sind zu schlecht. 20-25 Jahre wird es nach Aussagen von Las Lajas dauern, bis sie wieder die alte Exportrate von 25-30 Containern erreichen. Zur Zeit sind es nur 3-4 Container! Immerhin wird seit 2013 renoviert und 292 Manzanas (1 mz=0,7 Hektar) wurden bis 2017 u.a. mit Pacas und der resistenten Sorte Cuscatleco neu bepflanzt. Bei der Coop Acproa im Norden El Salvadors geht man einen anderen Weg. Sie wollen konventionell produzieren.

Die Nachbarkooperative Agasacare geht den umgekehrten Weg Richtung Bioproduktion und hat ein Ecobeneficio (Kaffeeverarbeitung) mit reduziertem Wasserverbrauch etabliert. Die Abwässer werden weitergenutzt für die Bocashi-Pilz-Produktion und es wird nach einer Finanzierungsmöglichkeit für die Bio-Zertifizierung gesucht. Beide Kooperativen sind Teil des Redaprodare im Naturpark Montecristo, der seit Januar 2018 mit dem Naturpark Bayrischer Wald ein Partnerschaftsprojekt zur Borkenkäferbekämpfung haben. Auch eine Rösterei ist Teil davon und nimmt der Coop Agasacare einen Teil der Ernte ab und sobald sie Bio zertifiziert sind, können sie auch Teil des Cafe La Cortadora werden. Sehr erfolgversprechend ist auch das Projekt Bioamigo, das Biodünger und Pestizide mit finanzieller Hilfe aus Deutschland und technischer Förderung aus Kuba herstellt und vertreibt.

Kaffeebauern in Honduras sind gefährdet

In Honduras wurde der Kaffeeanbau sehr stark gefördert und das Land sind nun neben Peru einer der Hauptanbieter für Bio-Kaffee. Aber ausgerechnet bei der resistenten Sorte Lempira 90 macht sich im Dep.Olancho seit Mitte 2017 eine Abart des Royapilzes breit. Die Anbauer von Marcala, welches nah zu El Salvador liegt, sind gewarnt und bereiten sich auf Schlimmeres vor. Ein Teil des Cafe La Cortadora kommt von der dortigen Coop Combrifol.

> Weitere Informationen zu Kooperativen in El Salvador.

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