Toys Report 2019: Eiskönigin im Sweatshop

Nov 22, 2019 by     No Comments    Posted under: China, Fairer Handel Aktuelles, Spielsachen

Zum Start des Disney-Blockbusters „Die Eiskönigin II“ berichtet Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) über Undercover-Recherchen in chinesischen Spielwarenfabriken.

Verdeckte Ermittler*innen der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch haben als Fließband-Arbeiter*innen in chinesischen Spielzeugfabriken gravierende Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt. Die Fabriken wurden im Auftrag der CIR und der Partner der „European Fair Toys Coalition“ unter die Lupe genommen, sie sind allesamt vom „Ethical Toy Program (ETP)“ des Weltspielwarenverbandes ICTI zertifiziert und produzieren für große Markenhersteller.

Für internationale Konzerne wie Disney, Hasbro, Mattel und Lego schieben die Arbeiter*innen dort in der Hochsaison bis zu 126 Überstunden monatlich – nicht immer freiwillig. In allen Fabriken wurde die gesetzliche Überstundengrenze von 36 Stunden massiv überschritten, vorgeschriebene Sicherheitstrainings fehlten, keine Fabrik zahlte einen existenzsichernden Lohn. Teilweise werden 10 bis 15 Arbeiter*innen zum Schlafen in ein Zimmer gepfercht und Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt.

Völlig unverfroren ist die Haltung der großen Konzerne. Statt sich ernsthaft um bessere Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken zu kümmern, den Zulieferern faire Produktionsfristen zu setzen und bei den Gewinnmargen die Daumenschrauben zu lösen, erstellen sie blumige Verhaltenskodizes und berufen sich auf die oft zahnlose Brancheninitiative ETP. So wälzen sie die Verantwortung formell auf die Fabrikbetreiber ab, während sie uneingeschränkt ihren Gewinn optimieren.

Frozen II: Eiskalt ausgebeutet

Ein Beispiel dafür ist die Frozen II Schneekugel für 9,99 €. Hergestellt werden die kleinen Plastikkugeln von Basic Fun!, einem Disney-Lizenznehmer, der in der Fabrik „Kongxing“ produzieren lässt. Monats-Grundlohn dort: 223,60 €. Über den Importeur BOTI Europe B.V. und große Händler wie MyToys oder Vedes finden die Schneekugeln mit Figuren aus dem Eisköniginnen-Universum ihren Weg in deutsche Kinderzimmer. Unter den mehr als 1.000 Fabriken in China, die laut Disneys Standortliste Lizenzprodukte herstellen dürfen, ist „Kong Xing“ mit „nur“ 99 Überstunden im Monat und 7-Bett-Zimmern sogar noch eine der besseren.

Lego wenig ritterlich

Auch der weltweit größte Spielzeughersteller mit einem Umsatz von 4,9 Milliarden Euro (2018) fertigt in einer der untersuchten Fabriken: Lego lässt bei „Wing Fai Foam Products“ ebenfalls zum lokalen Mindestlohn von 223,60 € produzieren. Zu Überstunden werden die Arbeiter*innen dort verpflichtet. Bislang tat sich Lego stets als Nachhaltigkeits-Primus hervor. Die Fabrik „Wing Fai“ stellt Schwerter und Schilde für die Ritterwelten der Legoland-Themenparks her. Lego hat sich der Transparenz verschrieben, seine Fabrikliste aber seit 2017 nicht mehr aktualisiert – „Wing Fai“ findet sich darauf nicht wieder.

Was tun?

Wie lassen sich die gravierenden Verletzungen nationalen Rechts und Verstöße gegen die ILO-Kernarbeitsnormen eindämmen? Beim Spielzeugkauf stehen Kund*innen vor einem Dilemma. Es gibt kein Siegel, hinter dem ein ambitionierter Sozialstandard mit funktionierendem Kontrollmechanismus steht.

Zu mehr Bewegung in den Chefetagen könnt auch ihr beitragen: Wendet euch an die Hersteller*innen und fragen Sie bei jedem Spielzeugkauf nach den Produktionsbedingungen, und wie die Einhaltung der Arbeitsrechte unabhängig und glaubwürdig überprüft wird.

Power Rangers Produktion bei Everfront. Foto China Labour Watch

 

Quelle:  Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)

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